Dienstag, 12. April 2005

Totaler Umbau beim Bierriesen Heineken: Österreich wird größte Länderorganisation!

  • Bekommt Russland, Deutschland & Griechenland dazu
  • Großer Umbau an Spitze von Heineken und Brau Union

Bei Heineken und damit beim von Wien aus gelenkten Österreich-Osteuropa-Unternehmensteil Brau Union ist der größte Konzernumbau in der Geschichte des viertgrößten Bierkonzerns der Welt angelaufen. Damit ist auch ein spektakulärer Wechsel sowohl an der Spitze der Brau Union als auch an der Spitze von Heineken selbst verbunden.

Karl Büche (58), Generaldirektor der Brau Union in Wien und Vorstand auch bei Heineken in Amsterdam, legt Mitte September 2005 - eineinhalb Jahre vor Ablauf seines Vertrags - seine Ämter nieder.

Zuvor will Büche noch die neue "signifikant" größere Struktur für sein bisheriges Operationsgebiet auf Schiene bringen: Die Brau Union wird bis Jahresende um die Heineken-Brauereien in den großen Ländern Russland (5 Betriebe), Deutschland (9 Betriebe, aber minderheitlich) und Griechenland (3 Brauereien) erweitert und damit nach Biervolumen zur größten Heineken-Organisation der Welt.

Büche zieht sich zurück
Als Nachfolger von Büche an der Spitze der Brau Union zieht der Holländer Nico Nusmeier (44) ein. Er ist zur Zeit Vorstand der Polen-Tochtergesellschaft Grupa Zywiec, sitzt aber seit Herbst 2003 auch schon im Vorstand der Brau Union.

Auch der Heineken-Konzernchef Thony Ruys (57) gibt nach erfolgter Umstrukturierung sein Amt Mitte September bzw. per 1. Oktober ab: Und zwar an Jean-Francois van Boxmeer (44). Boxmeer ist gebürtiger Belgier, war bisher schon Vorstand von Heineken in Amsterdam und Aufsichtsrat der Brau Union in Österreich.

Im Heineken-Aufsichtsrat gestern, Montag, wurden die Neustrukturierung ("Regionalisierung") der weltweiten Heineken-Bieraktivitäten und die relevanten Personaländerungen beschlossen. Der Konzernumbau startet sofort. Er soll bis Jahresende fertig sein.

Büche hat sich Lebenstraum erfüllt
Büche, der nach mehr als 30 Jahren Braumanager-Karriere - seit 1984 im Vorstand des größten Braukonzerns in Österreich - jetzt im Herbst aus seinen Vorstandsämtern ausscheidet, tut dies nach Erfüllung seines "Lebenstraums", wie er zur APA sagt. Der gesamte Heineken-Konzern werde nach dem Vorbild der Brau Union umgebaut. Russland dazu zu bekommen, war von Anfang an erhofft, die Kompetenz für die prominenten Deutschland-Beteiligungen - darunter Kulmbacher, Paulaner, Hacker Pschorr, Karlsberg, Thurn & Taxis - hat schließlich den Österreicher für die von ihm verantwortete Region selber einigermaßen überrascht.

Büche zeigt sich "froh und erleichtert, hier mitspielen zu können". Für seinen Rücktritt sei jetzt der richtige Zeitpunkt. "Das muss wer machen, der das mindestens fünf Jahre lang macht. Es wird viel Arbeit sein".

Neben der Brau Union als bisherigen Heineken-Subkonzern "Zentraleuropa" (neben Österreich und Osteuropa künftig mit Deutschland, Russland/GUS und im Südosten Griechenland) mit Sitz in Wien gibt es noch 4 neue regionale Organisationen. Western Europe, The Americas, also Nord- und Südamerika, Africa & Middle East und Asia-Pacific. Alle Brauereien der jeweiligen Region werden nicht mehr zentral von Amsterdam geführt, sondern von regionalen Präsidenten. Zugleich wird die Konzernzentrale in Amsterdam entsprechend gestrafft.

Die Brau Union wächst mit ihrer Erweiterung von jetzt 27 auf 43 Millionen Hektoliter Bier. Das sind 38 Prozent des Heineken-Welt-Absatzes. Unter Brau Union-Verantwortung im Heineken-Konzern werden dann über 20.000 Leute (bisher 15.000) arbeiten. Mit den neu dazu kommenden Märkten betreibt die Brau Union dann 36 Brauereien, mit den Minderheitsbeteiligungen an der deutschen Brau Holding International (Mehrheit bei Schörghuber) sind es 45.

Allein in Russland wird in den dortigen Heineken-Brauereien fast so viel Bier produziert wie in Österreich. Und in Griechenland kontrolliert Heineken 80 Prozent des Marktes. Und dass prominente deutsche Brauereien überhaupt einmal von Österreich aus gemanagt werden, das ist in Europas Brauindustrie vor einem halben Jahr noch eher unwahrscheinlich gesehen worden.

Die Übernahme der BBAG/Brau Union für insgesamt 1,9 Mrd. Euro vor gut eineinhalb Jahren war für Heineken der größte Kauf der Firmengeschichte. Heineken rangiert unter den weltgrößten Brauereien nach InBEV, South African und Anheuser Bush auf Platz vier.
(apa)

12.4.2005 08:44