ÖBB stellt Bund Rute ins Fenster: Entweder mehr Geld für Nebenbahnen oder Stilllegung
- Verhandlung mit dem Bund über 35 Strecken gestartet
- Bahn rechtfertigt Forderung mit Passagierplus von 2,3%
Die ÖBB Personenverkehrs AG will für die Nebenbahnen mehr Geld von der öffentlichen Hand. Ansonsten droht rund 35 Nebenbahnen die Stilllegung - allerdings erst 2007/2008. Die Verhandlungen mit Regierung und Länder sind laut ÖBB-Vorstand Goldmann bereits gestartet. Die öffentliche Hand müsste dann entscheiden, ob Nebenstrecken zugesperrt werden sollen oder nicht.
Mit 187,9 Millionen haben die ÖBB im Vorjahr 2,3 Prozent mehr Passagiere transportiert. Trotz der steigenden Passagiererzahlen wird der ÖBB-Personenverkehr in seinem ersten Jahr als eigenständige AG einen Verlust schreiben. Das neue Management peilt aber in den nächsten Jahren Gewinne an.
"Wir erleben das selbe Phänomen wie in der Luftfahrt", erklärte ÖBB-Fernverkehrsvorstand Wehinger. Die Kunden würden sich vor allem für Billigtickets interessieren. Wachsende Fahrgastzahlen hätten deshalb nicht gleichzeitig wachsende Einnahmen bedeutet, betonte Wehinger. Insgesamt haben die ÖBB 2004 im Fernverkehr um 10,2 Prozent zugelegt, im Nahverkehr aber nur um 0,5 Prozent.
Zur Aufrechterhaltung der Nebenbahnen und zur Ausweitung der Marktanteile der Schiene seien Investitionen notwendig - nicht nur in den laufenden Betrieb, sondern auch die Infrastruktur und in neues Zugmaterial, betont der ÖBB-Vorstand. Im Schnitt sind die ÖBB-Züge heute 15 Jahre alt.
Bis Herbst will der Vorstand eine detaillierte Kostenaufstellung für die Finanzierung der Nebenstrecken auf dem Tisch legen. Derzeit zahlt der Bund 461 Mio. Euro zum heimischen ÖBB-Nahverkehr, die Länder tragen derzeit wenig zum öffentlichen Bahnverkehr bei. Über eine Neuregelung verhandeln ihrerseits derzeit Bund und Länder. Für die ÖBB ist klar: "Wenn Bund und Länder nicht mehr Geld in die Hand nehmen, wird es zu Leistungsrücknahmen kommen".
(apa)
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