Freitag, 15. April 2005

Trotz vieler Chancen kein Tor in Parma: Austria fehlten Glück und ein Vollstrecker

  • Viertelfinal-Aus im UEFA-Cup: Kommt neuer Stürmer?
  • Zur Enttäuschung mischt sich auch Stolz über Leistung

Nach 14 Spielen oder 1.260 Minuten ist das UEFA-Cup-Abenteuer der Wiener Austria seit Donnerstagabend 22:36 Uhr zu Ende - der erste österreichische Europacup-Viertelfinalist seit 1996 (Rapid) ist im Viertelfinale am Catenaccio des FC Parma zerschellt. Unterm Strich blieb die Erkenntnis, dass nach einer tollen Europacup-Saison (6 Siege, 7 Remis, 1 Niederlage - 17:9 Tore) im torlosen Rückspiel gegen die Italiener das berühmte Quäntchen Glück und die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor gefehlt haben.

"Wenn wir kein Pech und ein bisschen Glück haben, dann schaffen wir es", hatte Austria-Mäzen Frank Stronach vor den Parma-Spielen gemeint. Im Endeffekt war es genau umgekehrt: zu ein bisschen Pech (abgefälschtes Gegentor beim 1:1 in Wien) gesellte sich kein Glück (sechs vergebene Hochkaräter in den 180 Minuten gegen Parma).

Die Enttäuschung in der Austria-Kabine in den Katakomben des "Stadio Ennio Tardini" war nach dem verpassten Halbfinal-Duell mit CSKA Moskau naturgemäß riesengroß. "Ich konnte keinem einzigen Spieler ins Gesicht schauen - alle Blicke waren auf den Boden gerichtet", berichtete Sportmanager Günter Kronsteiner über die ersten Bilder in der Umkleide. "Wir wollten vor 80.000 Zuschauern in Moskau spielen. Dieser Herausforderung wollten wir uns stellen, das haben wir auch in der Pause noch einmal gesagt", so der Steirer.

"Uns hat ein 'Killer' gefehlt"
"Ich hätte lieber gehabt, dass wir katastrophal spielen und trotzdem aufsteigen. Aber wir waren in beiden Spielen die bessere Mannschaft, es sollte eben nicht sein", meinte Kronsteiner, der genau weiß, woran es gelegen ist: "Wir sind an der mangelnden Chancenauswertung gescheitert. Uns hat ein 'Killer' gefehlt, denn die Chancen waren da." Ärgerlicher Nachsatz: "Das besonders bittere ist, dass Bilbao und Saragossa bessere Mannschaften als Parma waren."

Die logische Konsequenz aus diesem Resümee scheint Zuwachs für die Offensivabteilung zu sein. Kronsteiner: "Wenn uns etwas fehlt, dann vielleicht ein zusätzlicher Mann für die Offensive." Ansonsten gab Kronsteiner jedoch ein klares Bekenntnis zur derzeitigen Austria ab: "Diese Mannschaft sollte die Gelegenheit haben, noch ein oder zwei Jahre zusammenzubleiben. Ich möchte jeden einzelnen behalten und vielleicht noch ein, zwei Ergänzungen holen. Aber da entscheiden andere mit."

"Ich bin stolz auf die Mannschaft"
General-Manager Toni Polster sprach ebenfalls die mangelnde Chancenauswertung an. "Das scheint unser Manko zu sein. Bei so viel Möglichkeiten muss man einfach ein Tor machen", so der einstige Parade-Torjäger, der jedoch zufrieden UEFA-Cup-Resümee zog. "Ich bin stolz auf die Mannschaft. Sie hat den österreichischen Fans tolle Spiele geboten und gezeigt, dass sie mit Mannschaften aus den besten Ligen Europas mithalten kann."

Kapitän Ernst Dospel sprach sich im Namen der Mannschaft den Frust von der Seele. "Am Ende haben Zentimeter, Millimeter, Hundertstelsekunden gefehlt, der Ball wollte aber nicht ins Tor", erwähnte der Teamverteidiger vor allem den Stangen-Feistoß von Libor Sionko. "Wir haben aber wieder eine internationale Topleistung absolviert und sind mit erhobenem Haupt ausgeschieden."

Prügelei zwischen Parma- und Austria-Fans
Unschöne Szenen haben sich im Vorfeld des Spiels abgespielt. In einer Seitengasse vor dem Stadion kam es zu einem gewaltsamen Zusammentreffen von Parma- und Austria-Fans und der italienischen Polizei. Für zwei Anhänger der Wiener endete der Zwischenfall in der Notaufnahme des Spitals in Parma. Am schlimmsten erwischte es einen Studenten aus Wien, der von einem Polizeiknüppel auf dem Hinterkopf und zwei Mal im Gesicht getroffen wurde.

Die stark blutende Wunde am Kopf musste mit mehreren Stichen genäht werden, u.a. sind auch die Schneidezähne angebrochen. "Die Polizei hat mir im Nachhinein erklärt, dass ich unschuldig zum Handkuss gekommen bin - das nützt mir allerdings relativ wenig", so der Austria-Anhänger. Mitglieder des Fanklubs "Parma Boys" waren zuvor mit Fahrradketten bewaffnet auf einige Gäste aus Wien los gegangen.

(apa/red)

15.4.2005 11:27