Mittwoch, 20. April 2005

NEWS: Das Milliarden-Derby im Fußball - Frank Stronach gegen Dietrich Mateschitz!

  • Salzburg mit Red Bull gegen Austria Magna Wien!
  • PLUS: Magna-Boss und Red Bull-Gründer im Vergleich

Zaungäste, die das illustre Treffen der drei Herren beobachtet hatten, wussten sofort, dass sich da eine Riesensache anbahnt. Und die ließ gar nicht lange auf sich warten. Nur 24 Stunden nach der geheimen Zusammenkunft von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, Deutschlands Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer und Salzburg-Präsident Rudi Quehenberger am Dienstag der Vorwoche im Nobelrestaurant "Ikarus" im Hangar-7 platzte die Bombe. Das heimische Energydrink-Unternehmen Red Bull übernimmt die Salzburg Sport AG und somit den Spielbetrieb des Fußball-Bundesligisten SV Salzburg.

Vor allem ein Mann konnte sein Glück überhaupt nicht fassen: Rudi Quehenberger, der seine Verbindlichkeiten von kolportierten sieben Millionen Euro auf einen Schlag los war. Unweigerlich drängen sich Parallelen zu Frank Stronach und Austria Wien auf. Der Austrokanadier stand bei seiner Übernahme im Jahr 1999 so wie Mateschitz jetzt bei Salzburg für Austrias Altlasten von rund 15 Millionen Euro gerade. Die Verantwortlichen im österreichischen Fußball reiben sich schon die Hände, denn alles läuft auf ein Superduell der beiden Selfmade-Milliardäre Mateschitz und Stronach um die Vorherrschaft im heimischen Fußball hinaus. Eines steht jetzt schon fest: Geld spielt dabei sicher keine Rolle, denn sowohl Mateschitz' als auch Stronachs Privatvermögen werden mittlerweile auf weit über eine Milliarde Euro geschätzt. Das renommierte US-Magazin "Forbes" führt Mateschitz sogar in seiner aktuellen "Liste der 500 Superreichen" als einen von vier Österreichern auf Platz 321.

Verständlich, dass die Fußballfans in Salzburg längst von den erfolgreichen Europacupzeiten Mitte der 90er Jahre träumen, wo europäische Spitzenklubs wie Ajax Amsterdam oder Inter Mailand die Gegner waren. Nüchterner Fakt ist nämlich, dass die Salzburger derzeit auf dem vorletzten Tabellenrang liegen. Aber wer Mateschitz kennt, weiß, dass er mit Sicherheit nichts dem Zufall überlässt. Fußball dient neben Formel 1 als zweites Standbein auf dem internationalen Sektor. Mateschitz vertraut bei seinem letztlich doch überraschenden Einstieg ins Fußball-Business auf Topprofis. Deutschlands Fußball-Lichtgestalt und nächster möglicher UEFA-Präsident Franz Beckenbauer, seit Jahren mit Mateschitz befreundet, wird beratend zur Seite stehen. Der "Kaiser" übernimmt auch gleich volley eine wichtige Schlüsselrolle: Er warnt vor übertriebener Euphorie. Beckenbauer verweist auf Stronach und Austria, wo es lange dauerte, bis sich erste Erfolge einstellten. Beckenbauer: "Man darf sich jetzt keine Wunderdinge erwarten, dass Salzburg zum Beispiel gegen Bayern München in der Champions League für Furore sorgt. Das braucht seine Zeit."

Spieler- und Trainerkarussell: Wer kommt? Wer geht?
Keiner weiß das besser als Stronach, der sich sein Engagement bei den Veilchen bis heute weit über 50 Millionen Euro kosten hat lassen. Abgesehen vom Meistertitel 2003 und der Performance im UEFA-Cup in dieser Saison mit mehr als bescheidenen Erfolgen, sofern man sich erinnert, dass immerhin Topspieler wie Brasilo-Star Djalminha und Deutschlands Trainer-Guru Christoph Daum in Favoriten am Werken waren. Seit man weiß, dass Mateschitz, der übrigens wie Stronach ein gebürtiger Steirer ist, bei den Salzburgern zu 100 Prozent das Ruder übernommen hat, brodelt es in der Gerüchteküche, was das Zeug hält. Wetten werden darauf abgeschlossen, wer nun gehen muss und wer geholt wird. Immerhin laufen im Sommer nicht weniger als 17 Spielerverträge aus. Allein deshalb ist damit zu rechnen, dass in Salzburg kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Klar ist, dass die Tage des sportlichen Duos Peter Assion (Sportdirektor) und Nico Jurcevic (Trainer) gezählt sind. Auch wenn aus der Red-Bull-Firmenzentrale fast gebetsmühlenartig verlautet wird, dass zuerst einmal eine Bestandsaufnahme, sprich Analysephase, auf dem Programm steht.

Bei allen wichtigen Entscheidungen wird Mateschitz immer wieder den Rat von Beckenbauer einholen. Vor allem wenn es darum geht, in den nächsten Tagen einen neuen Trainer zu bestellen. Beckenbauer: "Er wird mich nicht fragen, wenn er einen Spieler aus der zweiten Liga in Deutschland verpflichtet, aber wenn es um einen möglichen neuen Trainer geht."

Das erste Match zwischen Salzburg und Wien: Es geht um Jara
Erster Kandidat für den Trainerstuhl beim SC Red Bull Salzburg, wie sich der Klub aller Voraussicht nach in Zukunft nennen wird, ist Ex-Tirol-Meistermacher Kurt Jara. Seinen Job bei Deutschlands Bundesligist Kaiserslautern hat er vor kurzem wohlweislich hingeschmissen. Angeblich für Angebote aus der spanischen Liga - La Coruña und FC Valencia wurden genannt.

Der Clou an der Sache ist, dass sich um Jaras Dienste nicht nur Salzburg, sondern auch Austria Wien ernsthaft bemüht. Gespräche hat es sowohl mit Mateschitz als auch Stronach gegeben. So kommt es nun in der Trainerfrage schon zum ersten großen Duell der beiden Austro-Milliardäre. Weitere Kandidaten sind Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld ("Es gab keinerlei Kontakt") und Ungarns Teamchef und Deutschlands Rekord-Internationaler Lothar Matthäus ("Ich beteilige mich an keinen Spekulationen"). Obwohl sich Matthäus dank Beckenbauer tolle Synergien zwischen Bayern München und Salzburg vorstellen kann: "Es wird sicherlich kein Sebastian Deisler nach Salzburg kommen, aber ein Schweinsteiger wäre vor einem Jahr noch möglich gewesen."

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20.4.2005 14:32