Mittwoch, 13. April 2005

Der unglaubliche Aufstieg der Capitals: In vier Jahren Durchmarsch von null auf eins

  • "Geschafft, was wir gehofft, aber nicht geglaubt haben"

Im Juni 2000 lag Eishockey in Wien auf dem Boden. Der Traditionsverein WEV, 1923 erster österreichischer Meister und 1962 der bis Dienstag letzte aus Wien, wurde aufgelöst, womit erstmals in der Geschichte kein Verein aus der Bundeshauptstadt in der ersten oder zweiten Liga dabei war. Nach einer Saison allerdings kehrte Profi-Eishockey in Form der Vienna Capitals nach Wien zurück.

Innerhalb von vier Jahren erkämpften sich die Caps unter dem Slogan "Fire on Ice" die Gunst der Eishockey-Fans zurück, lösten rechtzeitig vor der Heim-WM ab 30. April einen wahren Boom aus und schafften den Sprung von null auf Platz eins in Österreich.

Die Erfolgsgeschichte ist eng mit zwei Männern im Hintergrund verbunden, die schon seit zehn Jahren beruflich zusammenarbeiten. Marketingfachmann Martin Platzer, selbst 59-facher Teamspieler, rief u.a. mit der ehemaligen WEV-Ikone und Trainer Kurt Harand sowie dem aktuellen Caps-Manager Johann Schuller die "Eishockey Marketing GesmbH" ins Leben, die die Capitals gegründet hat. Ein Jahr später wurde auch Hans Schmid, ehemaliger GGK-Eigentümer, ins Boot geholt. 2003 übernahm Schmid auch das Präsidenten-Amt.

Im Oktober 2003 noch auf dem letzten Platz
Sportlich verlief der Einstand von Schmid in seinem Amt nicht nach Wunsch. Die Capitals lagen auf dem letzten Platz, als im Oktober 2003 der Trainer-Wechsel vollzogen wurde und Harand dem Italo-Kanadier Jim Boni Platz machen musste. Das Playoff verfehlten die Wiener dennoch, doch in der zweiten Saison gelang dank ausgezeichneter Legionäre wie Torhüter Chabot, Verteidiger Werenka und den Stürmern Wren, Craig und Chyzowski sowie starken heimischen Spielern (Kalt, Markus Peintner, Robert Lukas, Philippe Lakos) der große Coup.

"Wir haben 'was geschafft, was wir gehofft, aber nicht so geglaubt haben: Dass wir nach 43 Jahren den Titel wieder nach Wien holen. Jetzt haben sich vielleicht die vielen schlaflosen Nächte und das investierte Geld ausgezahlt. Wir haben gewusst, es muss heuer passieren, mit der WM in Wien. Wir hätten heute 20.000 Karten verkaufen können", erklärte Schmid nach dem Meistertitel. "Eishockey is back again in Wien", sagt er.

111.300 Zuschauern in 30 Heimspielen
Das zeigen auch die Zuschauerzahlen. Mit insgesamt 111.300 Zuschauern bei den 30 Heimspielen (Schnitt: 3.710) sind die Capitals die Nummer eins der Liga und hinter Rapid und der Austria die Nummer drei in der Hauptstadt. Trotzdem wurde ein finanzielles Minus eingefahren. Platzer nimmt diesbezüglich auch die Stadt in die Pflicht: "Die Kärntner Klubs erhalten 300.000 Euro Förderung. Wir müssen dagegen für die Halle 67.000 Euro Miete zahlen."

Die Fans wussten, wem sie eine mitreißende Saison mit Happy-End zu verdanken hatten und drückten dies via Transparent aus: "Danke Hans Schmid und Sponsoren für dieses Team." So sieht es auch Platzer: "Ganz Wien muss vor Hans Schmid rutschen und sagen: Danke, Danke, Danke. Aber man darf auch Kurt Harand nicht vergessen, der viel Aufbauarbeit geleistet hat und am Anfang eine Euphorie entfacht hat", erklärte Platzer, der auch das sportliche Know-how in den Klub mitbrachte. Und im Eishockey schon immer am richtigen Platz war.

Als Spieler war Platzer dabei, als der Villacher SV 1981 den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte holte. Mit dem EV Innsbruck beendete der ehemalige Verteidiger 1989 nach 26 Jahren die titellose Zeit in Tirol. Und nun war Wien nach 43 Jahren ohne Meisterfeier an der Reihe. "Wenn Mateschitz Meister werden will, muss er mich holen", meinte Platzer schmunzelnd in Richtung Red Bulls Salzburg.

Vorerst aber ist das Ziel, sich mit den Capitals in der Liga oben festzusetzen. "Wir wollen immer unter den ersten Vier mitspielen", sagt Schmid. Das sei schwer genug.
(apa)

13.4.2005 14:33