Dienstag, 19. April 2005

Justizministerin wird orange Vize-Chefin: Karin Miklautsch im ausführlichen Porträt

  • Gebürtige Steirerin übernimmt nun doch Parteiamt
  • Gutes Gesprächsklima mit Opposition und Juristen

Mit Karin Miklautsch (41) rückt eine Frau zur Nummer Drei des BZÖ auf, die eigentlich keinen Parteijob angestrebt hatte. "Ich bin ein politischer Mensch, ich bin aber kein parteipolitischer Mensch", so hatte sich Miklautsch kurz nach ihrer überraschenden Bestellung zur Justizministerin im Sommer 2004 selbst charakterisiert. Nicht einmal ein Jahr später ist die gebürtiger Grazerin, die seit ihrer Kindheit in Kärnten lebt, stellvertretende Obfrau der orangen Koalitionspartei.

Damit vertritt Miklautsch, geboren am 11. März 1964, mit Jörg Haider jenen Politiker, der ihr den Einstieg in die Politik nicht gerade erleichtert hatte. Mit seinem am Rande eines Go Kart-Rennens vor laufender Kamera vorgebrachten "Boxenluder"-Sager bescherte der Kärntner Landeshauptmann der neuen Justizministerin gleich zu Beginn hämische Kommentare, aber auch die öffentliche Unterstützung von Oppositionspolitikerinnen. Miklautsch reagierte wenig amüsiert: "Ich finde das nicht lustig."

So überraschend, wie im Juni 2004 die Berufung der parteifreien Kärntner Wasserrechtsbeamtin zur ersten Justizministerin Österreichs gekommen war, so überraschend ist für manche auch Miklautsch Parteikarriere. Doch dass Miklautsch im FP-Regierungsteam eine zentrale Rolle zugetraut wurde, war eigentlich schon länger klar: Die 41-Jährige fungierte zuletzt als FP-Chefverhandlerin bei freiheitlichen Kernthemen wie Asyl und Fremdenrecht, aber auch Beamtendienstrecht und Verwaltungsreform.

Miklautsch, die sich selbst als Teamworkerin mit rascher Auffassungsgabe bezeichnet, kam dabei mitunter beim politischen Gegner besser an, als bei den eigenen Parteifreunden - etwa als sie den FP-nahen Richter Ernest Maurer überging und mit Ulrike Psenner die erste Frau an die Spitze des Wiener Straflandesgerichtes stellte. Vom FP-Ideologen Andreas Mölzer setzte es zuletzt harsche Kritik: Sie sei "im sozialistischen Milieu politisch sozialisiert" und "mäßig kompetent", urteilte Mölzer in seiner Wochenzeitung "Zur Zeit".

Ein taugliches Gesprächsklima fand Miklautsch mit der Opposition sowie mit Richtern und Staatsanwälten. Zuletzt gab es sogar Lob der Standesvertreter für die Bemühungen der Ministerin um mehr Personal zu hören - unter ihrem Vorgänger Dieter Böhmdorfer, mit Richtervereinigung und Gewerkschaft im Dauer-Clinch, noch undenkbar. Trotzdem hat die Marke Miklautsch im Justizministerium gewissermaßen ein Ablaufdatum: Im Sommer heiratet die Ministerin ihren Lebensgefährten Heinz Gastinger und nimmt - da sie derzeit noch den Familiennamen ihres Ex-Mannes trägt - auch dessen Namen an.(apa/red)

19.4.2005 13:56