Hubert Gorbach im Porträt: Reiselustiger Vorarlberger nun zweithöchster BZÖler
- Zweifacher Familienvater nun schon mit drei Top-Jobs
- Als Vizekanzler bei Koalitionspartner ÖVP populär
Hubert Gorbach ist seit Sonntag um einen Posten reicher, allerdings um einen, um den er sich ausnahmsweise nicht unbedingt gerissen hat. Seiner Kür zum geschäftsführenden Obmann des neuen BZÖ war ein tagelanger Abwehrkampf aller möglichen Kandidaten vorausgegangen. Nun muss der 48-jähriger Vorarlberger ran, schließlich will er ja Vizekanzler und Infrastrukturminister bleiben.
Der eloquente und humorige Gorbach, geboren am 27. Juli 1956, galt als Vorarlberger Landeschef, Landesrat und Landesstatthalter in der FPÖ über Jahre hinweg als Talent, dem man einen weiteren Aufstieg nicht so recht gönnen wollte. Zu zielstrebig und wendig erschien der ehemalige Geschäftsführer einer Bäckereimaschinenfirma vielen, auch seinem nunmehr wieder unmittelbaren Chef Jörg Haider.
Dass es mit der Karriere in Wien doch noch etwas wurde, verdankte Gorbach letztlich der immer größer werdenden Personalnot der Freiheitlichen. Als man innerhalb von nicht einmal drei Jahren drei Infrastrukturminister verbraucht hatte, besann man sich zu Beginn der zweiten schwarz-blauen Ära dann doch seiner Talente und machte ihn zum Ressortchef - einen Job, den er angesichts der Dauerkonfliktthemen wie ÖBB oder Telekom recht souverän erfüllt.
Als man mit Herbert Haupt als Vizekanzler nichts mehr anfangen wollte, durfte Gorbach im Oktober 2003 dann sogar in die Regierungsspitze aufrücken, und dieser Job gefällt dem zweifachen Familienvater wie wenigen davor. Kaum ein Journalist, der nicht über die ausschweifenden Vorträge des Vizekanzlers nach der Regierungssitzung zu stöhnen weiß.
Politisch gesehen ist Gorbach eher ein Liberaler, wie es der Tradition seiner freiheitlichen Landesgruppe entspricht. Allerdings war Gorbach auch nie einer, der die Nationalen verdammte. Noch gut in Erinnerung ist, wie er vor einem Jahr dem nunmehr vom BZÖ verdammten FPÖ-Jugendchef Johann Gudenus nach dessen "Umvolkungs"-Sager "tadelloses Gedankengut" attestierte.
Was den Frastanzer für das BZÖ wichtig macht, ist seine leutselige Art, die bei den Österreichern gut ankommt. Zudem ist er beim Koalitionspartner ÖVP populär, was ihn freilich bei der freiheitlichen Basis stets verdächtigt gemacht hat. Auch noch einmal ein Handicap könnte sein, dass er Haider nach den Ereignissen von Knittelfeld mehr oder weniger offen zum Rückzug aufgefordert hatte. Als größte Schwäche des begeisterten Reiters und Hobbyfliegers gilt aber unter Parteifreunden eine gewisse Eitelkeit, die sich in ausufernden Dienstreisen und einem üppigen Mitarbeiterstab ausdrückt.(apa/red)
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