Donnerstag, 14. April 2005

Strache-Attacke auf FP-Parteitag: Haider hat sich "absolut unanständig" verhalten!

  • Wiener FP-Chef erinnert an Abmachung mit Kärnten-LH
  • BZÖ werde von Wählern durchschaut und "abgestraft"

Heinz-Christian Strache hat zum Auftakt des Wiener FP-Landesparteitags erneut massive Kritik an Jörg Haider geübt. Er erinnerte an seine am 21. März getroffene Vereinbarung mit dem Kärntner Landeshauptmann, in der festgehalten worden sei, dass es zu keiner Abspaltung kommen werde. Doch aus dem angestrebten Schulterschluss sei nichts geworden - "auch wenn ich die Vereinbarung als ehrliche Vereinbarung betrachtet habe". Darüber hinaus plädierte Strache dafür, den "Blick nach vorne zu richten". Die vergangenen Tage und Wochen sollten "rasch aufgearbeitet" werden, verlangte Strache.

"Diese Gesinnungsgemeinschaft, diese Freiheitliche Partei hätte es verdient gehabt, dass man sie nicht so einfach zurücklässt", so Strache. Haider sei von seinem eigenen Weg abgekommen und habe sich mit der BZÖ-Gründung "absolut unanständig" verhalten: "Wir müssen auch als Familie zur Kenntnis nehmen, dass der politische Vater von 1986 bis letzte Woche Montag seine Familie verlassen hat."

Strache: Haider hat "Schweif eingezogen"
Strache erinnerte auch an frühere Beispiele, in denen Haider nicht zu seinem Wort gestanden sei, etwa als er nach Knittelfeld seine Familie bedroht sah und er doch nicht wieder für den Bundesparteivorsitz kandidieren wollte. "Ich bin in die Politik gekommen, und da kann mich ich weiß nicht wer bedrohen. Mich wird man nicht wegbekommen, ich stehe zu meinem Wort", so der Wiener Landesparteichef. Haider habe dagegen "den Schweif eingezogen" und "die Mannschaft im Stich gelassen". Haider habe sich so beweglich erwiesen, wie ein "Barbapapa".

"Früher war er den Mächtigen im Weg. Heute hat er sich mit den Mächtigen arrangiert", so Strache über Haider. Dem BZÖ gehe es in Wirklichkeit um "Pfründe, Sessel und das Absichern ihrer Einkommen". Von den Wählern werde das aber durchschaut und "abgestraft", zeigte er sich überzeugt. Die orange Partei werde daher wie das Liberale Forum enden.

Der Parteitag finde jedenfalls in "schwierigen und ernsten Zeiten" statt. Doch eine Krise enthalte auch eine Chance: "Wir müssen zeigen, dass wir verantwortungsbewusst sind, im Gegensatz zu anderen." Und auch er selbst werde dies sein, verwies Strache auf seine bevorstehende Kandidatur als Bundesparteiobmann beim Parteitag am 23. April in Salzburg. Wobei er betonte: "Wir dürfen nie wieder den Fehler machen, alles auf eine Person auszurichten. Dahinter muss eine Gemeinschaft stehen, ein freiheitliches Team."

Kabas-Kritik an BZÖ-Gründern
Hilmar Kabas - der sich als Wiener Parteichef bereits im Vorjahr zurückgezogen hat - sieht sich als Bundesobmann neu gefordert. Er selbst sei im Gegensatz zur Führungsebene unter Ursula Haubner bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen: "Ich hätte ja auch sagen können, ich schrauf mich auch (umgangssprachlich für: "ich winde mich auch heraus", Anm.). Das ist ja nicht lustig, in diesem Zustand, in dem diese Partei zurückgelassen wurde." Die BZÖ-Gründer haben laut Kabas jedenfalls "kein Verhältnis zur Anständigkeit".

Die derzeitigen Anstrengungen stellte Kabas als extrem fordernd dar: Er habe bereits fünf Kilo abgenommen und werde nach dem Bundesparteitag am 23. April auf Schlafkur gehen, kündigte er scherzend an.

Offizielles Ziel des Parteitages war die Festlegung der programmatischen Ausrichtung für die nächste Wien-Wahl und darüber hinaus. Als "Diskussionsgrundlage" wurde das Papier "Visionen für Wien, Wien weiterdenken (2005 - 2015)" präsentiert, in dem vor allem auf zahlreiche klassische FP-Kernthemen wie Sicherheit oder Ausländer eingegangen wird. Eine Abstimmung darüber gab es nicht. Strache hat in seiner Rede übrigens den von ihm verwendeten Slogan "Wien darf nicht Istanbul werden" verteidigt. Dieser sei "nicht ausländerfeindlich" und Istanbul eine tolle Stadt, betonte der Wiener FP-Chef. Zuwanderer müssten sich jedoch anpassen, was derzeit nicht geschehe. (apa/red)

14.4.2005 22:31