Papst setzt auf Kontinuität: Sodano als vatikanischer Staatssekretär bestätigt!
- Auch alle anderen Kurienchefs wurden bestätigt
- Skepsis & Hoffnung: Papst polarisiert Weltöffentlichkeit
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Der neue Papst Benedikt XVI. arbeitet zunächst mit jener Kurienspitze weiter, die bereits unter seinem verstorbenen Vorgänger Johannes Paul II. im Amt gewesen ist. Angelo Sodano werde Kardinalstaatssekretär bleiben, teilte der Vatikan am Donnerstag mit. Auch die Chefs der anderen Kurienkongregationen, die in etwa Ministerien entsprechen, und die Päpstlichen Räte blieben im Amt. Das gilt auch für "Außenminister" Giovanni Lajolo. Die Entscheidung des neuen Papstes unterstrich seine bisherigen Erklärungen, sein Amt in der Kontinuität seines Vorgängers ausüben zu wollen.
Unklar war am Donnerstag, wer das Amt des Präfekten der Glaubenskongregation vom früheren Kardinal Joseph Ratzinger übernehmen würde, der am Dienstag zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt worden war. Der 77-jährige Sodano galt dabei als einer der Mitfavoriten. Er hat 15 Jahre lang unter Johannes Paul II. als Kardinalstaatssekretär das Amt eines vatikanischen Regierungschefs ausgeübt und kennt daher die römische Kurie so gut wie kaum ein anderer. Sodanos Stellvertreter bleibt der argentinische Erzbischof Leonardo Sandri.
Papst trifft Kardinäle & Journalisten
Als nächste Schritte plant der Papst am Freitag ein Treffen mit allen in Rom versammelten Kardinälen und am Samstag eine Begegnung mit mehreren tausend Journalisten, die derzeit aus dem Vatikan berichten. Völlig überraschend und gegen alle Regeln des Protokolls des Heiligen Stuhls hatte sich Benedikt XVI. am Mittwoch auch in der Nähe des Vatikans in der Öffentlichkeit gezeigt. Ein solches "Bad in der Menge" bereits einen Tag nach der Papst-Wahl habe es in der jüngeren Geschichte noch nicht gegeben, berichteten italienische Zeitungen.
Benedikt XVI. polarisiert die Weltöffentlichkeit
Die Wahl des ersten deutschen Papstes seit fast 500 Jahren polarisiert die Weltöffentlichkeit: Hoffnung und Freude auf der einen Seite, Skepsis und Enttäuschung auf der anderen. Weltweit appellierten Politiker und Geistliche an Benedikt XVI., den Dialog mit anderen Religionen im Sinne seines Vorgängers fortzuführen. Papst Benedikt XVI. selbst will die Einheit der Christen zum wichtigsten Ziel seines Pontifikats machen.
In seiner ersten Predigt im neuen Amt nannte Joseph Ratzinger am Mittwoch den Dialog mit anderen Religionen und den Einsatz für den Frieden in der Welt als weitere Schwerpunkte. Nach Jahrhunderten der Trennung reiche guter Wille allein nicht, um die Einheit der Christen zu erreichen. "Konkrete Taten sind notwendig", sagte Benedikt XVI. in der auf Latein gehaltenen Predigt. Persönlich richtete sich Benedikt XVI. an die junge Generation: "Mit Euch, liebe Jugend, Zukunft und Hoffnung der Kirche und der Menschheit, will ich weiter den Dialog führen und Eure Erwartungen hören." An der ersten Messe des deutschen Papstes nahmen zahlreiche Kardinäle aus aller Welt teil. Dabei bekannte er sich entschieden zum II. Vatikanischen Konzil (1962-1965), dessen Umsetzung er fortsetzen wolle. Das Konzil hatte eine Öffnung der Kirche zur Welt und innerkirchliche Reformen in Gang gesetzt.
Weltkirchenrat hofft auf Dialog mit anderen christlichen Bekenntnissen
Der Weltkirchenrat äußerte die Hoffnung, dass Benedikt die katholische Kirche dem Dialog mit anderen christlichen Bekenntnissen weiter öffnen werde. Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Alexi II. sprach von der Hoffnung auf bessere Beziehungen zwischen den beiden Kirchen. Der schiitische Geistliche Hadi Qabel sagte in Qom im Iran, er wünsche einen "Dialog zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen". Der Vorsitzende des französischen Islamrats, Dalil Boubakeur, wünschte Benedikt viel Erfolg, vor allem beim interreligiösem Dialog.
Reaktionen in Deutschland gemischt
In Deutschland verbanden die Parteien ihre Glückwünsche mit Aufrufen zu Reformen der katholischen Kirche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte, 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sei die Wahl Ratzingers auch "ein wichtiges Zeichen der endgültigen Rückkehr Deutschlands in die weltweite Völkergemeinschaft". Der katholische Theologe Hans Küng, dem 1979 vom Vatikan die Lehrerlaubnis entzogen wurde, sprach allerdings von einer "Riesenenttäuschung" für alle Reformorientierten.
Papst verließ erstmals den Vatikan
Der neue Papst verließ am Mittwoch erstmals den Vatikan, um in seine alte Wohnung zu gehen. Zuvor hatte er die päpstliche Wohnung im apostolischen Palast in Besitz genommen. Dann folgte ein Besuch an seinem früheren Arbeitsplatz, der Glaubenskongregation, wo sich der neue Papst mit seinen alten neuen Mitarbeitern freundschaftlich austauschte und eine kurze Ansprache hielt. In der Sala Clementina im Apostolischen Palast empfing der neugewählte Papst demnach das Kardinalskollegium. In den nächsten Tagen ist eine Audienz für das am Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Corps geplant.
Salzburgs Erzbischof lädt Papst nach Österreich ein
Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser hat Papst Benedikt XVI. nach Salzburg eingeladen. "Wir wissen, dass Sie schon bisher Salzburg, dem 'deutschen Rom', in besonderer Weise verbunden waren. Deshalb die herzliche Einladung an unseren Papst Benedikt XVI.: Wann immer es Ihre Zeit erlaubt, ob ganz privat zur Erholung oder ganz offiziell - wir freuen uns auf Ihren Besuch in Salzburg. Auf Wiedersehen in Salzburg", so Kothgasser am Mittwoch in einem Schreiben an den Heiligen Vater. (apa/red)
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