Donnerstag, 14. April 2005

Experten rechnen mit kurzem Konklave: Neuer Papst bereits nach 3 Tagen ernannt?

  • Gute Karten bei Wahl für Kurienkardinal Josef Ratzinger
  • Deutscher soll bis zu 50 der 115 Stimmen sicher haben

Der neue Papst könnte bereits zwischen Mittwoch und Donnerstag gewählt werden. Italienische Medien rechnen mit einem kurzen Konklave. Bereits drei Tage nach Beginn des Konklaves am kommenden Montag könnte es zu einer Einigung zwischen den 115 Papst-Wählern, darunter Wiens Erzbischof Christoph Schönborn, über den Nachfolger von Johannes Paul II. kommen. Der Vatikan könne sich eine zu lange Phase ohne das Kirchenoberhaupt nicht erlauben. Hinzu wolle die Kirche der Welt ein Image des Zusammenhalts, nicht der Spaltung unter den Kardinälen geben, berichtete die römische Tageszeitung "Il Messaggero" in ihrer Mittwochausgabe.

Für die Wahl des neuen Papstes sind zwei Drittel der Stimmen notwendig. Durchschnittlich wird der neue Papst mit vier Fünftel der Stimmen gewählt. Sollte es zu Uneinigkeiten kommen, können die Beratungen am dritten Tag für einen Tag Gebetspause suspendiert werden.

Inzwischen zeichnete sich immer mehr eine Favoritenstellung des ranghöchsten Kardinals Joseph Ratzinger ab. Der bisherige Präfekt der Glaubenskongregation könne mit 40 bis 50 Stimmen im Konklave rechnen, berichteten italienische Zeitungen. Etwa 40 der wahlberechtigten Kardinäle hätten sich bereits auf den 78-Jährigen festgelegt, optimistische Schätzungen gingen gar von 50 Stimmen aus, berichtete die Zeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Auch der "Corriere della Sera" schrieb, der Kardinaldekan verfüge bereits über 40 Stimmen. Das notwendige Quorum zur Papstwahl liegt bei zwei Dritteln der Konklaveteilnehmer (77 Stimmen).

Das gute Abschneiden des deutschen Kardinals erklärte der "Corriere della Sera" damit, dass Ratzingers Gegner sich bisher noch auf keinen gemeinsamen Kandidaten geeinigt hätten. "La Repubblica" schrieb, die italienischen Kardinäle Camillo Ruini und Angelo Scola wollten die mögliche Wahl des Mailänder Kardinals Dionigi Tettamanzi verhindern und rührten deshalb die Werbetrommel für Ratzinger. Auch die spanisch-lateinamerikanische Fraktion in der Kurie unterstütze den bisherigen Chef der Glaubenskongregation. Die deutschen Kardinäle lehnten Ratzinger dagegen mehrheitlich ab, schrieb das Blatt.

Der Kirchenkritiker Hans Küng hält eine Wahl Ratzingers zum Nachfolger von Papst Johannes Paul II. für unwahrscheinlich. Er glaube, dass ein "extrem Konservativer" wie Ratzinger im anstehenden Konklave kaum eine Chance habe. (apa/red)

14.4.2005 11:03