Montag, 18. April 2005

Papstgrab erstmals zugänglich: Krypta des Petersdoms wieder für Publikum geöffnet

  • Tausende Pilger strömen zu Grab von Johannes Paul II.
  • Vatikan: Gläubige dürfen aber keine Blumen niederlegen

Tausende von Gläubigen sind in den Petersdom geströmt, um die erste Gelegenheit für einen Besuch am Grab von Papst Johannes Paul II. zu nutzen. Rund 500 Menschen stellten sich schon in der Früh vor dem Zugang zur Krypta im Untergeschoss des Petersdoms an, der um 7.00 Uhr erstmals seit der Bestattung des Papstes wieder geöffnet wurde. Im Vatikan liefen indes die Vorbereitungen auf das am Montag beginnende Konklave weiter. Italienische Medien berichteten, dass der einflussreiche Kurienkardinal Joseph Ratzinger schon bis zu 50 der 115 Stimmen bei der Papstwahl sicher hat.

Unter den Gläubigen im Petersdom waren viele Polen zu erkennen, die ihre Fahnen schwenkten. Sicherheitskräfte ließen die Wartenden gruppenweise am schlichten grab in einer Nische der "Vatikanischen Grotten" vorbeidefilieren. Wie schon vor dem aufgebahrten Leichnam von Johannes Paul II. konnte die Besucher sich nur im Vorübergehen vom Verstorbenen verabschieden.

Das Papstgrab ist in einer kleinen Nische in den Grotten unter dem Petersdom, keine 20 Meter vom Grab des Heiligen Petrus entfernt. In den Boden eingelassen sieht man eine schlichte weiße Steinplatte aus Carrara-Marmor und darauf in goldenen Lettern den Namen des Papstes auf Latein und wann er amtiert hat. Den Pilgern wurde nicht erlaubt, Blumen aufs Grab zu legen. "Die Vatikanischen Grotten wären von Blumen überfüllt", hieß es im Vatikan zur Erklärung. Die sterbliche Hülle von Karol Wojtyla war am vergangenen Freitag in der früheren Grabnische von Johannes XXIII. beigesetzt worden.

Medien rechnen mit kurzem Konklave
Italienische Medien rechnen indes damit, dass das Konklave zur Wahl des neuen Papstes nur wenige Tage dauern wird. Der Nachfolger von Johannes Paul II. könnte bereits am Mittwoch oder Donnerstag gewählt werden, weil die Kardinäle ein Bild des Zusammenhalts vermitteln wollten, berichtete die römische Tageszeitung "Il Messaggero".

Die Zeitungen "La Repubblica" und "Corriere della Sera" berichteten, dass Ratzinger schon 40 bis 50 Stimmen der wahlberechtigten Kardinäle sicher habe. Unterstützung erhalte der als stramm-konservativ geltende Bayer vor allem von Lateinamerikanern und Italienern, die Konkurrenten aus dem eigenen Land verhindern wollten. Deutsche Kardinäle stünden einer Wahl von Ratzinger jedoch ablehnend gegenüber. Für die Wahl des neuen Papstes sind zwei Drittel der Stimmen (77 von 115) notwendig, ab dem 34. Wahlgang genügt jedoch schon die absolute Mehrheit.

Absolute Verschwiegenheit oberste Priorität
Johannes Paul II. wurde auch bei einem Empfang der Diplomaten im Vatikan gewürdigt. Der Verstorbene habe "die religiöse, moralische und soziale Geschichte der Welt geprägt und für eine dauerhafte Zivilisation der Liebe gekämpft", sagte der Dekan des Diplomatischen Cops im Vatikan, Giovanni Galassi. Am sechsten Tag der neuntägigen Trauerzeit für den verstorbenen Papst (Novendialien) wollte Kurienerzbischof Leonardo Sandri die tägliche Messe im Petersdom zelebrieren.

Inzwischen wurden erste konkrete Vorbereitungen auf den Beginn des Konklave getroffen. Der Bezirk für das Konklave wurde erstmals auf den gesamten Vatikan ausgeweitet. Die 115 teilnehmenden Kardinäle werden im eigens dafür ausgerüsteten Vatikan-Gästehaus Santa Marta wohnen statt wie bei früheren Konklaven in engen Zellen direkt neben der Sixtinischen Kapelle. Das Konklave beginnt am kommenden Montagnachmittag nach einer Messe im Petersdom.

Zur Wahl eines neuen Papstes müssen sämtliche Vatikan-Bedienstete, die in irgendeiner Form mit dem Konklave zu tun haben, absolute Verschwiegenheit schwören. "Alle Angestellten des nächsten Konklaves, Geistliche ebenso wie Laien, müssen den vorgeschriebenen Eid leisten und unterzeichnen", teilte der Vatikan mit.

Dazu gehörten die Fahrer der Minibusse, die die Kardinäle von ihren Unterkünften im Gästehaus Santa Marta zu ihren Beratungen in der Sixtinischen Kapelle chauffieren, ebenso wie Reinigungskräfte und Küchenpersonal, Liftboys, Mediziner, Haustechniker und Beichtväter. Der weiße Rauch nach der erfolgreichen Papstwahl soll nicht nur vom Geläut der großen Bronzeglocke des Petersdoms, sondern von allen Kirchenglocken Roms begleitet werden. Das Vikariat Roms lud alle Gemeinden der Ewigen Stadt ein, zum "Habemus Papam" die Glocken zu läuten. (apa/red)

18.4.2005 08:42