Montag, 18. April 2005

Lauschangriff auf den Vatikan? Angst vor Laser-Mikrofonen bei Papst-Konklave

  • Große Fortschritte in Spionagetechnik seit letzter Wahl
  • Ringen um neues Kirchenoberhaupt birgt viel Zündstoff

Die Techniker im Vatikan sind auf Hacker, elektronische Wanzen und hochsensible Mikrofone spezialisiert. Seit dem letzten Konklave im Jahr 1978 hat die Spionagetechnik große Fortschritte gemacht, aber der Vatikan ist zuversichtlich, die strikte Geheimhaltung der Wahlversammlung verteidigen zu können.

"Es ist nicht so, als ob das unser erstes Konklave wäre", sagte ein Vertreter der Kurie, der natürlich seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte. Aus verständlichen Gründen lehnen es die Sicherheitskräfte im Vatikan strikt ab, irgendwelche Angaben zu den Abwehrmaßnahmen für das Konklave zu machen.

Papst-Wahl birgt viel Zündstoff
Doch die Versuchung auf irgendeine Weise an Informationen zu kommen ist groß. Denn im Konklave könnte es zu einem zähen Ringen zwischen den beiden Lagern der Reformer und der Konservativen kommen. Auch wird erwartet, dass der Druck massiv sein wird, zum ersten Mal in der Geschichte einen nicht aus Europa stammenden Papst zu wählen. Und jede ungewollte Enthüllung aus den Konklave-Sitzungen könnte für den Vatikan überaus kompromittierend sein.

Mobiltelefone und Handheld-Computer sind daher für die Kardinäle ebenso verboten wie Radio- oder Fernsehgeräte. Für einen Lauschangriff könnten Handys und Handheld-Computer so präpariert werden, dass alle Gespräche aufgezeichnet und nach draußen übertragen werden. "Das ist ganz einfach", erklärt James Atkinson, dessen amerikanische Firma sich auf das Auffinden elektronischer Wanzen spezialisiert hat.

Hohe Abhör-Technologie im Einsatz
Ebenso aufmerksam werden wohl die Dächer im Vatikan abgesucht. Moderne Laser-Mikrofone können akustische Signale aus einer Entfernung von 400 Metern erfassen, indem sie winzige Vibrationen von Fensterglas oder anderen Oberflächen erfassen. "Man richtet den Laser auf ein Fenster oder ein anderes festes Objekt im Raum wie das Glas eines Bilderrahmens", erklärt ein Sicherheitsexperte. "Wenn die Leute reden, wird das Glas mit dem Klang der Stimme vibrieren, und aus diesen Schwingungen kann man kann den Audioklang rekonstruieren." Als Gegenmittel bieten sich schwere Gardinen vor den Fenstern oder auch die Maskierung von Gesprächen durch andere Geräusche an.

Um winzige Wanzen zu entdecken, müssen die Fahnder die sensiblen Räume der Sixtinischen Kapelle vom Boden bis zur Decke durchsuchen. Überall könnten die Aufzeichnungsgeräte versteckt sein - unter dem Teppich, im Stuhlpolster, in der Wasserleitung oder in Glühbirnen. Erstmals muss nicht aber nur der Konklave-Ort selbst, sondern auch der Weg zur Übernachtungsstätte der Kardinäle, zur Domus Sanctae Marthae, überwacht werden. (apa)

18.4.2005 18:11