Dienstag, 12. April 2005

US-Katholiken demonstrieren im Vatikan: Umstrittener Geistlicher leitet Trauermesse für Papst

  • Kardinal war in Kindesmissbrauchsskandal verwickelt
  • Vorwurf: Sei nicht genug gegen Pädophile vorgegangen

Katholiken aus den USA haben am Montag im Vatikan gegen den wegen eines Kindesmissbrauchsskandals umstrittenen US-Kardinal Bernard Francis Law demonstriert. Angehörige des "Nationalen Verbandes der Opfer von Priestern" (SNAP) protestierten gegen die Entscheidung des Vatikan, Law eine der neun Trauermessen für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. leiten zu lassen.

"Dass der Vatikan Kardinal Law an so prominenter Stelle auftreten lässt, ist Salz auf die Wunden der Opfer", sagte SNAP-Präsidentin Barbara Blaine am Montag in Rom. Law war im Dezember 2002 wegen eines Kindesmissbrauchsskandals in seiner Diözese Boston als Erzbischof zurückgetreten. Ihm wurde vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen pädophile Priester vorgegangen zu sein, sondern sie lediglich in andere Gemeinden versetzt zu haben. Zwei gegen Law demonstrierende Frauen mussten den Petersplatz verlassen, nachdem sie versucht hatten, Flugblätter zu verteilen.

Law konnte die Messe im Petersdom ungestört abhalten. Der 73- Jährige ist auch Mitglied des Konklave, das ab kommenden Montag über einen Nachfolger für den am 2. April verstorbenen Johannes Paul II. beraten soll. Seit seinem Rücktritt als Erzbischof ist er Dekan der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom. Johannes Paul II. hatte sich seinerzeit entschieden für eine Aufklärung des Skandals eingesetzt, in dessen Zuge 70 Millionen Dollar an Vergleichszahlungen an die Opfer geflossen sind.
(apa/red)

12.4.2005 11:40