Heiligsprechung des Papstes im Oktober? Kardinäle überlegen eine Sonderregelung
- Prozess setzt eigentlich vorige Seligsprechung voraus
- Umfrage: Soll Papst sofort heilig gesprochen werden?
·Papst sofort zum Heiligen erklären?
Soll Heiligsprechung beschleunigt werden?
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Unter Johannes Paul II. Heiligsprechungs-Rekord
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hat mich geheilt"
Eklat um mögliche Wunder
von Johannes Paul II.
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Johannes Paul II. war ein Papst der Rekorde. Wurden in seinem Pontifikat zwischen 1978 und 2005 1.338 Personen selig sowie 482 Männer und Frauen heilig gesprochen - mehr als unter allen anderen Päpsten vor ihm zusammen -, so deutet seit seinem Begräbnis am vergangenen Freitag viel darauf hin, dass Karol Wojtyla nur wenige Monate nach seinem Ableben offiziell als Heiliger der katholischen Kirche verehrt werden könnte - sogar ohne vorher selig gesprochen worden zu sein, was bis dato unmöglich war. Eine Heiligsprechung schien am Montag für den Sekretär der "Kongregation für die Heiligsprechung", Erzbischof Edward Nowak, schon im kommenden Oktober wahrscheinlich.
Zu diesem Zweck starteten bereits einige Kardinäle eine Unterschriftensammlung. Die Initiative ist offenbar eine Reaktion auf die Forderung tausender Gläubiger, die auf dem Petersplatz am Tag des Begräbnisses eine Heiligsprechung gefordert hatten. "Santo subito!" (Sofort heilig!) hatten die Gläubigen am Freitag auf dem Petersplatz skandiert.
"Ich hätte nicht gedacht, dass die Menschenmenge auf dem Petersplatz mit solchem Enthusiasmus die Heiligsprechung des Papstes fordern würde. Ich finde es fantastisch. Es erinnert mich an die Akklamation der Heiligen in der Kirche der ersten Jahrhunderte", sagte Nowak im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Montag-Ausgabe). "Im kommenden Oktober tagt die Synode der Bischöfe. Dies könnte eine Gelegenheit für die Heiligsprechung sein", betonte der einflussreiche Geistliche.
Glemp: "Johannes Paul II. schon jetzt heilig"
Auch nach Einschätzung des polnischen Primas, Kardinal Jozef Glemp, sei Johannes Paul II. durch seine Lehren, sein Leiden und seinen Glauben schon jetzt heilig. Das betonte Glemp am Sonntagabend laut Kathpress im polnischen Fernsehen.
Kritisch äußerte sich hingegen der Jesuit P. Peter Gumpel, Experte für Seligsprechungsverfahren. Natürlich könne ein künftiger Papst auch bei Kanonisierungsverfahren von allen Vorschriften und Regeln absehen, sagte Gumpel am Montag zur Kathpress. Dies wäre jedoch verfehlt und würde dem toten Papst einen schlechten Dienst erweisen. Nach seiner Auffassung wäre es sinnvoll, das Pontifikat Johannes Pauls II. in einem solchen Verfahren gemäß den geltenden Normen aufzuarbeiten.
Seligsprechung muss Heiligsprechung vorausgehen
Seit Jahrhunderten gilt als Voraussetzung für eine Heiligsprechung, dass ihr eine Seligsprechung vorausgeht. Außerdem erfordert allein schon die beweisführende Tätigkeit der Gremien langjährige Fristen. Für den "Fall Wojtyla" müsste das Regelwerk geradezu revolutioniert werden. Im Vatikan warnt man offiziell daher vor übereilten Initiativen. "Die Heiligsprechung von Johannes Paul II. ist die exklusive Kompetenz des neuen Papstes, der vom Konklave (ab 18. April, Anm.) gewählt wird", betonte der vatikanische Sprecher Joaquin Navarro Valls.
Angebliche Wunderheilungen von Johannes Paul II.
Unterdessen wird der Vatikan dieser Tage mit Briefen von Gläubigen über angebliche Wunderheilungen durch Johannes Paul II. geradezu überschüttet. Hunderte Menschen aus der ganzen Welt berichteten, der Papst habe sie bereits zu Lebzeiten geheilt. Für besondere Aufregung sorgten die Aussagen von Kardinal Francesco Marchisano, der vor fünf Jahren nach einer Luftröhrenoperation wegen eines Behandlungsfehlers an einer Stimmbandlähmung litt. "Der Papst besuchte mich und streichelte meinen Hals. Er versprach mir, dass er für mich beten würde. Nach einiger Zeit konnte ich wieder normal sprechen", berichtete der Kardinal am Wochenende im Fernsehen. Sollte es tatsächlich zu einem raschen Heiligsprechungsprozess kommen, wird sich die Kanonisierungskongregation mit Hunderten solcher Heilungsberichte beschäftigen müssen.
Im Medienrummel um den Papst, ging hingegen die Verabschiedung seines langjährigen Privatsekretärs, Erzbischof Stanislaw Dziwisz, fast in Stille über die Bühne. Er zog am Montag offiziell aus den päpstlichen Gemächern aus, die bis zum Einzug des neuen Papstes versiegelt wurden, und bezog Räumlichkeiten in einem polnischen Pilgerhaus in Rom. Falls der nächste Papst Dziwisz in seinem Amt als Unterpräfekt des Päpstlichen Hauses bestätigen sollte, könnte er umgehend auch offiziell wieder in den Vatikan zurückkehren. (apa/red)
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