Keine Geiseln gefunden? Rätselraten um angebliche Geiselnahme in irakischem Dorf
- Waren Auseinandersetzungen Stammesstreitigkeiten?
- Zahlreiche blutige Anschläge im Irak am Wochenende
Rätselraten um angebliche Geiselnahme im Irak: Nach Berichten, sunnitische Aufständische hätten bis zu 100 schiitische Dorfbewohner als Geiseln genommen, stürmten irakische Sicherheitskräfte und US-Soldaten am Sonntag den südlich von Bagdad gelegenen Ort Madain. Bis zum Abend wurden offenbar jedoch keine Geiseln gefunden. In Bagdad dementierte das Verteidigungsministerium Meldungen, drei Geiseln seien befreit worden. Nach verschiedenen Medienberichten hatten Sunniten in der Nacht auf Samstag angeblich zwischen einigen Dutzend bis zu 100 Schiiten als Geiseln genommen.
Der für die nationale Sicherheit zuständige Staatsminister Kasim Dawoud bestätigte, man habe keine Geiseln gefunden. Augenzeugen in Madain, wenige Kilometer südöstlich der Stadtgrenze von Bagdad, sagten, es könnte sich bei der Auseinandersetzung auch um Stammesstreitigkeiten handeln. Die Bevölkerung Madains besteht zur Hälfte aus Sunniten und zur Hälfte aus Schiiten. Sunnitische Aufständische sollen nach irakischen Medienberichten damit gedroht, Geiseln zu ermorden, falls die schiitischen Einwohner nicht umgehend das Dorf verließen. Der Konflikt um Madain beschäftigte auch die am Sonntag tagende Nationalversammlung, die vor einem drohenden ethnischen Konflikt im Lande warnte.
Weitere Anschläge und Angriffe im Irak
Anschläge und Rebellen-Angriffe in verschiedenen Landesteilen kosteten am Wochenende mindestens 20 Menschen das Leben. Der schwerste Anschlag ereignete sich am Samstagmittag in Bakuba: Dort explodierte in einem vollbesetzten Restaurant eine Bombe und tötete neun Menschen.
Bei einem Angriff auf einen US-Militärstützpunkt bei Ramadi wurden am späten Samstagabend drei amerikanische Soldaten getötet und sieben weitere verletzt, wie die US-Streitkräfte am Sonntag mitteilten. Ein weiterer Soldat starb am Samstag nach einem Angriff auf seinen Konvoi bei Taji, ein fünfter erlag Verletzungen, die er am Freitag bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt bei Tikrit erlitten hatte. Seit Kriegsbeginn im März 2003 verloren mehr als 1.550 US-Soldaten im Irak ihr Leben.
Bei einem weiteren Anschlag auf einen US-Militärkonvoi am Sonntag kamen drei einheimische Zivilisten ums Leben, wie die Polizei im nordirakischen Dorf Al Bardschija mitteilte. In Kirkuk töteten Aufständische am Samstag einen irakischen Polizisten und zwei Soldaten.
In Mossul wurden nach US-Angaben bei zweitägigen Razzien 27 mutmaßliche Aufständische festgenommen. Die irakische Polizei nahm überdies einen Geistlichen der einflussreichen sunnitischen Vereinigung muslimischer Gelehrter fest, dem Kontakte zu Aufständischen vorgeworfen werden.
In einem Massengrab im Südirak sind die Leichen von 41 Kuwaitern entdeckt worden, die vermutlich während des Golfkriegs 1991 ums Leben kamen. Das teilte der irakische Minister für Menschenrechte, Bachtiar Amin, am Samstag mit. Nach dem Angriff der irakischen Streitkräfte auf Kuwait waren insgesamt 605 Kuwaiter spurlos verschwunden, die Leichen von 190 sind mittlerweile identifiziert. Insgesamt wurden seit dem Sturz Saddam Husseins vor zwei Jahren 295 Massengräber entdeckt.(apa/red)
