17 Millionen Euro: Rekord-Entschädigung für NS-enteignete österreichische Familien
- Schweizer Bank handelte rechtswidrig Zucker-Aktionäre
Ein Schiedsgericht hat den von den Nazis beraubten Familien Bloch-Bauer und Pick eine Entschädigung in Gesamthöhe von 26,45 Mio. Schweizer Franken (17,1 Mio. Euro) zugesprochen, weil eine Schweizer Bank an der Enteignung ihrer Zucker-Aktien beteiligt gewesen war. Das "Claims Resolution Tribunal" wirft der ungenannt bleibenden Schweizer Bank den Bruch eines Syndikatsvertrags und Komplizenschaft mit den Nazi-Behörden bei der "Arisierung" der Österreichischen Zuckerindustrie AG (ÖZAG) vor. Die Klägerin und Bloch-Bauer-Nichte Maria Altmann, vertreten durch Anwalt E. Randol Schoenberg, enthält von der auf die Erben aufgeteilten Entschädigungssumme weniger als ein Zehntel.
Ferdinand Bloch-Bauer und Otto Pick hatten wenige Tage vor dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland im März 1938 ihre ÖZAG-Aktien bei einer Schweizer Bank deponiert um sie vor einer befürchteten Enteignung zu retten. Die als Treuhänder agierende Bank habe aber bald ihre Verpflichtungen aus dem Syndikatsvertrag verletzt, heißt es in der Entscheidung des Schiedsgerichts, die der APA vorliegt. Die Bank habe die Anteile gegen den Willen der Aktionäre zu einem Bruchteil des Wertes an einen von den Nationalsozialisten ausgewählten Käufer, den deutschen Geschäftsmann Clemens Auer, übereignet.
Um welche Schweizer Bank es sich handelte, ist unklar. Das Finanzinstitut wird nicht namentlich genannt, sondern nur als "Bank" bezeichnet. Die Entschädigungsforderung wurde von der aus Österreich vor den Nazis geflüchteten Maria Altmann, Nichte des verstorbenen Ferdinand Bloch-Bauer, erhoben. Die heute 89-jährige Altmann lebt in den USA. Sie wurde von Anwalt E. Randol Schoenberg vertreten. Die Entscheidung des "Claims Resolution Tribunal" wurde am Mittwoch von Richter Edward Korman in New York bestätigt.
Die Entschädigung kommt den Erben von Ferdinand Bloch-Bauer und Otto Pick zu Gute und wird aus dem von Schweizer Banken 1998 eingerichteten 1,25-Mrd.-Dollar-Fonds geleistet. Es ist die höchste bisher zugesprochene Summe. Ein Anwalt der Schweizer Banken UBS und Credit Suisse, Roger Witten, wies gegenüber der "New York Times" (Donnerstagsausgabe) den CRT-Vorwurf systematischen Fehlverhaltens durch Schweizer Banken als "falsche Anschuldigung" zurück.
Zur Enteignung der jüdischen Familie Bloch-Bauer nach dem "Anschluss" wurde ein Steuerstrafverfahren eingesetzt. "Die Nazis begannen das Verfahren der Arisierung der ÖZAG mit Maßnahmen, die nach außen den Anschein der Legalität hatten", heißt es in der CRT-Entscheidung. Als Prüfer war Guido Walcher, NSDAP-Mitglied und Antisemit, ernannt worden, der in seinem Bericht zahlreiche Unregelmäßigkeiten in der Unternehmensgebarung behauptete. Als Ferdinand Bloch-Bauer nach Prag und dann in die Schweiz flüchtete, war sein Vermögen enteignet. Der ehemalige "Zuckerbaron" und Kunstsammler starb 1945 mittellos in Zürich. (apa)
