Neuer Asbest-Fund: NATO räumt Brüsseler Hauptquartier trotzdem nicht
- Generalsekretär will aber "jeden Millimeter" untersuchen
Das Hauptquartier der NATO in Brüssel soll trotz eines neuen Asbest-Fundes nicht geräumt werden. Es gebe keine Berichte über Asbest-bedingte Erkrankungen von Mitarbeitern, sagte der Sprecher der Allianz am Mittwoch in Brüssel. Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer habe aber eine Untersuchung "für jeden Millimeter" des weitläufigen Gebäudekomplexes angeordnet. Diese dürfte in den kommenden Wochen in Auftrag gegeben werden.
Bereits 2002 war in den Heizungsräumen des Hauptquartiers als gefährlich eingestuftes Asbest entdeckt worden. Die Sanierungsarbeiten wurden aber bis heute nicht abgeschlossen. Bei einer Inspektion wurde im März dieses Jahres auch außerhalb dieses Gebäudeteils an einer Stelle eine erhöhte Asbestkonzentration festgestellt.
Das Brüsseler Hauptquartier, in dem derzeit rund 3.000 Menschen arbeiten, wurde 1967 bezogen, als das Bündnis seinen Sitz in Paris räumte. Der Bau einer neuen Zentrale ist bereits beschlossen, doch wird mit deren Fertigstellung erst im Jahr 2012 gerechnet. Eigentümer des mehrfach erweiterten Gebäudekomplexes ist das Bündnis. Anders als im Falle des Brüsseler Hauptgebäudes der EU-Kommission ist der belgische Staat daher bei der NATO-Zentrale nicht in Haftung.
Das EU-Gebäude musste Anfang der neunziger Jahre wegen Asbestbelastung evakuiert werden. Der Neuausbau des nach dem Sitz eines früheren Kloster benannten "Berlaymont" konnte wegen Pannen bei der Entseuchung erst im Herbst vergangenen Jahres abgeschlossen werden.
Der früher vor allem für den Feuerschutz häufig verwendete mineralische Baustoff Asbest gilt als stark Krebs erregend, wenn bei chemisch ungebundenem Asbest feine Fasern in die Atemluft geraten, die in der Lunge des Menschen gebunden werden. Bei längerem Ausgesetztsein wie etwa am Arbeitsplatz gelten die Asbestfasern als besonders gefährlich.
Auch die Wiener UNO-City hat seit langem ein Asbest-Problem. Die Sanierungsarbeiten haben bereits begonnen und sollen bis 2009 abgeschlossen sein. Der Umbau wird rund 100 Mio. Euro kosten. (apa)
