Plötzliche Schleusenöffnung in Indien: Opferzahl im Steigen, mindestens 72 Tote
- Noch immer sind mehr als 100 als vermisst gemeldet
- Teilnehmer an Neumond-Feier von Fluten überrascht
In Indien ist die Zahl der Toten nach der plötzlichen Öffnung einer Schleuse auf mindestens 72 gestiegen. Nach Polizeiangaben suchten Taucher der indischen Marine noch immer nach mehr als 100 Vermissten.
Rund 300.000 Frauen, Männer und Kinder hatten sich am Ufer des Flusses Narmada in Zentralindien versammelt, um an einer Neumond-Feier teilzunehmen. Als rund 100 Kilometer stromaufwärts Wärter die Schleusen des Damms öffneten, ergossen sich die Wassermassen auf die feiernden Menschen. Offiziell hieß es dazu, die Verantwortlichen für den Indira-Sagar-Staudamm hätten nichts von der Feier gewusst.
Taucher bargen auch am Mittwoch noch immer weitere Leichen aus dem Fluss. "Womöglich finden wir aber keine Leichen mehr, weil sie schon flussabwärts gespült wurden", sagte ein Polizeisprecher.
Am Abend vor dem Neumondfest tauchen die Menschen traditionell im Fluss unter. Viele Familien campierten deshalb am Ufer, als das Wasser zu steigen begann.
Der Geschäftsführer des Staudammbetreibers machte eine "Lücke in der Kommunikation" für das Unglück verantwortlich. Das Wasser sei bei der Stromerzeugung routinemäßig abgelassen worden. Nach Angaben der Polizei waren die Menschen aufgefordert worden, nicht im Fluss zu baden, weil das Wasser steigen könne. Die Regierung des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh hat inzwischen eine Kommission eingesetzt, die den Vorfall untersuchen soll. (apa/red)
