Überraschender Irak-Besuch: Rumsfeld warnt vor Korruption beim Neuaufbau!
- US-Verteidungsminister traf sich mit Talabani & Jaafari
·Irak: USA will bald
Truppen reduzieren
Der Abzug von 35.000 der 140.000 Soldaten überlegt
·Irak: Missstände in den Gefängnissen
17.000 Frauen & Männer sitzen ohne formale Klage!
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat bei einem erneuten Blitzbesuch im Irak vor Korruption beim Neuaufbau des Landes gewarnt. Die neue Führung müsse sicherstellen, dass der Aufbau der Demokratie nicht durch korrupte oder inkompetente Mitarbeiter verzögert werde, sagte Rumsfeld am Dienstag. Er traf in Bagdad während seines zweiten Irak-Besuchs binnen drei Monaten mit Präsident Jalal Talabani und Regierungschef Ibrahim al-Jaafari zusammen. Die Reise war vorher nicht angekündigt worden.
Al Jaafari räumte nach der Unterredung mit Rumsfeld ein, dass Rückschläge im politischen Prozess nicht ausgeschlossen seien. "Ich verhehle nicht, dass wir vor Herausforderungen stehen. Aber ich bin sicher, dass wir sehr gute Ministerien aufbauen werden", sagte er auf einer Pressekonferenz. Präsident Talabani äußerte nach einem getrennten Gespräch mit Rumsfeld die Hoffnung, dass die Auswahl der Minister bis zum Wochenende abgeschlossen werden könne.
Querelen zwischen den Religionsgruppen bei der Bildung der Übergangsregierung haben in Washington Besorgnis ausgelöst. Die US-Regierung befürchtet, ein anhaltender Machtstreit könne den Kampf gegen die Aufständischen im Land behindern. Nur bei einer Beruhigung der Sicherheitslage könnten jedoch die 140.000 US-Truppen den Irak verlassen. Über einen möglichen Termin für einen Truppenabzug wollte Rumsfeld nichts sagen.
Der stellvertretende Innenminister Tariq al-Baldaw entging unterdessen in Bagdad einem Angriff Aufständischer auf seinen Konvoi. Nach Angaben eines Ministeriumsmitarbeiter schossen Angreifer aus zwei Autos heraus auf den Konvoi im westlichen Stadtteil Adel. Dabei sei ein Leibwächter getötet worden. Drei Personen, darunter ein Sohn Al Baldawis, seien verletzt worden.
In der nordirakischen Kleinstadt Qaim an der Grenze zu Syrien kam es kam es in der Nacht auf Dienstag zu heftigen Gefechten zwischen Sicherheitskräften und Aufständischen. Mindestens neun Menschen seien dabei getötet worden, wie Krankenhaussprecher sagte. Am Montagabend hatten Aufständische in der Stadt einen US-Militärstützpunkt mit drei Autobomben angegriffen.
Von einem am Montag verschleppten US-Staatsbürger fehlte am Dienstag noch jede Spur. Es handle sich um einen Unternehmer, der im Raum Bagdad an einem Wiederaufbauprojekt beteiligt sei, erklärte die US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt.
Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen hat den Weltsicherheitsrat um eine Aufhebung der Sanktionen gebeten. Der neue Irak sei eine Demokratie in den Kinderschuhen, die nicht länger mit dem gegen Saddam Hussein verhängten Waffenembargo und wirtschaftlichen Beschränkungen bestraft werden dürfe, sagte Samir Sumaidaie am Montagabend in New York. Schon im vergangenen Monat beklagte Sumaidaie, Bagdad müsse noch immer mehr als 9,25 Milliarden Euro jährlich für Waffeninspektionen der UN und der Internationalen Atomenergiebehörde zahlen.
Der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski bekräftigte am Dienstag die Erwartung, dass sich die Soldaten seines Landes in den ersten Wochen 2006 aus dem Irak zurückziehen könnten, wenn das UN-Mandats für die internationale Truppe abgelaufen sei. (apa/red)
