Freitag, 15. April 2005

Millionencoup bei Tresordiebstahl:
'Panzerknackerbande' schuldig gesprochen

  • Eisenstadt: Täter zu drei bis sieben Jahre Haft verurteilt

Nach dem Millionencoup im Postverteilerzentrum in Oberpullendorf vom vergangenen Oktober standen am Freitag in Eisenstadt die mutmaßlichen Tresordiebe vor Gericht. Zwei gebürtige Salzburger und zwei Burgenländer mussten sich wegen schweren Einbruchsdiebstahls - die Beute betrug über 1,1 Millionen Euro - verantworten. Ein Schöffensenat (Vorsitz: Mag. Birgit Falb) fällte am Nachmittag vier Schuldsprüche. Für die Angeklagten setzte es unbedingte Haftstrafen von drei bis sieben Jahren. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Im Prozess zeigten sich drei der vier Angeklagten geständig. Ein mittlerweile suspendierter, 35-jähriger Postzusteller aus dem Burgenland, der laut Staatsanwaltschaft als Tippgeber fungierte, verantwortete sich "nicht schuldig", fand mit seiner Argumentation bei Gericht jedoch kein Gehör. Die Anklage warf ihm vor, das Trio, das später den Diebstahl ausführte, in einer abendlichen Aktion auch einmal in das Verteilerzentrum gelassen zu haben, was seine Mitangeklagten auch bestätigten. Außerdem habe er mit einem Handy den Tresor, der sich im Büro des Leiters befand, fotografiert, um mit Hilfe des Bildes einem "Spezialisten" Hinweise auf die Bauart des Stahlschranks zu geben. Der Beschuldigte stritt seine Beteiligung vehement ab.

Die Idee zu dem Coup war nach anfänglichen Überlegungen entstanden, einen Postzusteller zu überfallen. Nach dem Einbruch wurde der Tresor in eine Halle in Niederösterreich transportiert. Pannen ließen das Vorhaben schließlich scheitern: Bei einer Wiener Mietwagenfirma hatten die Tresordiebe einen Mercedes Klein-Lkw gemietet. Dabei gab der als Drahtzieher vermutete 36-jährige Burgenländer, der sich mit falschen Papieren auswies, seine eigene Handynummer an, was die Ermittler rasch auf seine Spur brachte.

Offenbar in Panik brachen später zwei der Männer nochmals in die Firma ein, stahlen den Lkw und versenkten zwei Computer und Firmenunterlagen in der Donau, um Spuren zu vernichten. Der als "Experte" angeheuerte 38-jährige Salzburger wiederum scheiterte trotz mehrstündiger Arbeit mit einer Trennscheibe am Posttresor.

Der 38-jährige Salzburger, der ursprünglich den Tresor öffnen sollte, wurde schließlich zu sieben Jahren, sein 32-jähriger Landsmann zu drei Jahren Haft verurteilt. Der frühere Postmitarbeiter muss für vier Jahre, der mutmaßliche Drahtzieher für fünf Jahre hinter Gitter. Der einstige Postzusteller meldete Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil an. Der 38-Jährige und der 36-Jährige wurden auch wegen mehrerer Folgedelikte - darunter Sachbeschädigung und Urkundenfälschung - für schuldig befunden. (apa/red)

15.4.2005 17:00