Donnerstag, 14. April 2005

Bildungsdebatte: Opposition fordert "jetzt erst recht" Einführung einer Gesamtschule

  • SPÖ wirft Kommission in diesem Punkt "Feigheit" vor
  • ÖVP sieht Gehrer als "Garantin" für Schulreformen

Einen Tag nach der Präsentation des Endberichts der Zukunftskommission macht die Opposition "jetzt erst recht" Druck für die Einführung der Gesamtschule. Für das Expertengremium gab es von SPÖ und Grünen großteils Lob - Kritik übten die beiden Parteien aber an einer fehlenden Empfehlung für die gemeinsame Schule im Endbericht trotz kundgetaner "Sympathie" dafür. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal warf den Wissenschaftern sogar "Feigheit" vor. Die ÖVP kritisierte die "Jammer-Rhetorik" der Opposition und sieht Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) als "Garantin für Umsetzung notwendiger Reformen".

Bei der Präsentation des Endberichts äußerte die Kommission zwar "gewisse Sympathien für das finnische Modell" der Gesamtschule mit individueller Förderung und umfassender Integration. Gleichzeitig steht sie aber auf dem Standpunkt, dass es für die Einführung einen derzeit nicht vorhandenen nationalen Konsens geben müsse. Ansonsten würden die pädagogischen Vorteile dieses Modells auf Grund der Widerstände dagegen wieder verschwinden.

Hier hakt die Opposition ein: Der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz hält die Aussparung einer Empfehlung für den "zentralen Fehler" des Expertengremiums: "Die politische Wertung, ob ein großer Wurf sinnvoll ist, sollte der Politik überlassen werden." Auf der anderen Seite sei er aber durchaus zufrieden mit dem Bericht. "Was drin steht, könnte man fast eins zu eins übernehmen", so Brosz: "Dieses Modell hat eigentlich nur einen Gegner - die ÖVP." Ähnlich die SPÖ: Einerseits habe das Gremium eine gute Arbeit abgeliefert, beim Punkt Gesamtschule lese sich diese aber "wie ein Bericht der Diplomatischen Akademie", meinte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser.

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka forderte SPÖ und Grüne dagegen auf, "ihre Jammer-Rhetorik zu begraben" und Gehrer "bei der Umsetzung der von ihr geschnürten acht großen Arbeitskreise" zu unterstützen. "Wenn SPÖ und Grüne immer noch die Einführung einer flächendeckenden Gesamtschule als allein selig machende Maßnahme wollen, zeigt das, dass sie den Abschlussbericht der Zukunftskommission entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben", so Lopatka in einer Aussendung. ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon sah in Gehrer die "Garantin für die Umsetzung notwendiger Reformen". (apa/red)

14.4.2005 21:50