Kampf um die Hauptstadt: Van der Bellen eröffnet Rennen um Platz zwei in Wien
- Grünen-Chef verteidigt "linke" Kandidatenauswahl
- "No hard feelings" nach Kenesei-Wechsel zur ÖVP
Dem Wechsel von Gemeinderat Günther Kenesei zur ÖVP quasi zum Trotz hat Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen den Kampf um Platz zwei in der Wiener Wählergunst eröffnet. In einer Pressekonferenz sprach er von einer außerordentlich spannenden Auseinandersetzung, ob bei der nächsten Wahl seine Partei oder die Volkspartei mehr urbanes Lebensgefühl verbreiten könne. Dabei ist Van der Bellen zuversichtlich, dass es den Grünen mit Spitzenkandidatin Maria Vassilakou gelingen wird, nahe an Platz zwei heranzurücken oder diesen sogar zu ergattern.
Die Kritik an der vermeintlich zu linken Kandidatenauswahl bei den Stadtgrünen wies der Bundessprecher zurück: "Wir sind sehr gut aufgestellt." Besonders angetan haben es Van der Bellen Spitzenkandidatin Vassilakou, die er für eine exzellente Wahl hält sowie der hohe Frauenanteil auf der Liste.
Dass Kenesei nicht mehr berücksichtigt wurde, sei als demokratisches Ergebnis zu akzeptieren. Dessen Wechsel zur ÖVP nimmt Van der Bellen nicht so tragisch. Wenn die Volkspartei glaube, Hilfe von außen nötig zu haben, solle sie es ruhig probieren: "No hard feelings", so der Grünen-Chef, allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass solche Manöver nicht immer gut gehen müssten. Schließlich habe die Volkspartei bei der niederösterreichischen Gemeinderatswahl mit dem früheren Grünen Franz Renkin in Gießhübl kandidiert und dort ein katastrophales Ergebnis eingefahren. Das Ergebnis sei in der Gemeinde nun Rot-Grün.
Kluft zur ÖVP wächst weiter
Auch bundespolitisch hat Van der Bellen die ÖVP derzeit nur eingeschränkt gern. Angesichts der zumindest nach außen gelassenen Reaktion von Parteichef Wolfgang Schüssel und Klubobmann Wilhelm Molterer auf die FPÖ-Spaltung meinte der Grünen-Chef, die beiden machten sich auf eine erstaunliche Art lächerlich. Eigentlich kaum vorstellbar ist für ihn, dass sich der Kanzler mit dieser Konstellation tatsächlich in die österreichische EU-Präsidentschaft wagt und sich auf diesem Weg blamieren wolle.
Trotzdem und trotz der Stärkung der VP-kritischen Kräfte in Wien bei der Listenerstellung will sich Van der Bellen aber weiterhin nicht festlegen, mit wem er nach der nächsten Nationalratswahl lieber eine Koalition eingehen würde. Wenn man dieses scharfe Messen anlege, müsse man nämlich auch die Position der SPÖ in Kärnten ansehen, die sofort in eine Koalition mit den Freiheitlichen gegangen sei und auch jetzt noch keinen Grund für Neuwahlen sehe. Ähnlich stelle sich die Situation in Oberösterreich da, wo die SPÖ es bis heute nicht verwunden habe, dass die Grünen nicht zu einer Koalition mit Rot-Blau bereit gewesen seien. (apa/red)
