Vorschläge zur Schulreform: Opposition sieht gute Ansätze, aber auch Lücken
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"Die Leistungen sind
wenig zufrieden stellend"
"Einige positive Ansätze" und "gute Vorschläge" sehen Oppositionsvertreter in dem präsentierten Endbericht der Zukunftskommission. Das Papier weise aber auch Lücken auf, viele heiße Eisen würden "in die ferne Zukunft geschoben oder gar nicht erst angesprochen", so der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser ortet im Bericht auch Kritik an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V).
Nach ersten Analyse könne festgestellt werden, dass im Bericht wichtige Punkte zu finden seien, die rasch umgesetzt werden sollten. Generell sei im SPÖ-Bildungsprogramm "aber dennoch deutlich mehr an bildungspolitischen Vorschlägen, die zu einer Verbesserung des Schulsystems führen würden, enthalten", so Niederwieser. Die Zukunftskommission setze vor allem auf die Verbesserung der Unterrichtsqualität. "Vom Messen und Prüfen allein wird der Unterricht aber nicht besser, sondern nur teurer", so der Mandatar. Zu begrüßen sei allerdings die Forderung, dass "Bildungsstandards als Mindeststandards" rasch entwickelt werden sollten.
Garantien für maximal fünf Prozent Unterrichtsausfall - wie im Papier vorgeschlagen, hätte die Bildungsministerin schon längst abgeben können. Überhaupt hätte Gehrer durch rechtzeitiges Aufgreifen von "guten Konzepten ihres eigenen Ministeriums" den PISA-Absturz 2003 vielleicht vermeiden können. Noch nicht überzeugend ist für Niederwieser das vorgeschlagene Modell der Lehrerausbildung.
Lob für individuelle Förderung
Kritik an Gehrer übte auch Brosz. Die Bildungsministerin tue so, als würde der Bericht den Regierungskurs bestätigen. Sie verspreche "nebulos die Umsetzung" und setze gleichzeitig ihren Sparkurs fort. Unter anderem kann der Mandatar keine Maßnahmen erkennen, "die die Anzahl der 15-Jährigen mit massiven Leseschwierigkeiten wirkungsvoll senken werden".
"Rückhaltlos" unterstützt Brosz die Pläne der Zukunftskommission nach mehr individueller Förderung. Gerade hier sei aber eine Umsetzung auf Grund der Kürzungen der Lehrerdienstposten immer weniger möglich. "Den gut gemeinten Plänen müssen also auch Taten folgen", so der Grüne Bildungssprecher. Mehr individuelle Förderung sei nur möglich, wenn die Bundesministerin bereit sei, die Anzahl der Förderlehrer aufzustocken. Als "besonders positiv" bezeichnete Brosz die Forderungen nach einem gesetzlichen Anspruch auf ganztägige Betreuung, die Vorschläge für eine Einschränkung des Sitzenbleibens sowie die Einführung eines Kurssystems in der AHS-Oberstufe.
Gewerkschaft abwartend
Die Lehrer-Gewerkschaft gibt sich zum Endbericht der Zukunftskommission abwartend. Wesentlich spannender werde sein, welche Vorschläge von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) umgesetzt würden und welche nicht, meinte der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, gegenüber der APA. Er gehe davon aus, dass die Ministerin dabei nicht vergesse, mit den Lehrern zu reden. Viele der vorgeschlagenen Punkte könne man ohne weiteres mittragen, anderes wie die Unterrichtsgarantie sei "von der Realität überholt", und bei manchen Vorschlägen wie der personellen Autonomie der Schulen sei man skeptisch.
Wirtschaft für rasche Umsetzung der Vorschläge
Die Vorschläge der Zukunftskommission zur Reform des österreichischen Bildungssystems werden von Wirtschaft und Industrie begrüßt. Sowohl Industriellenvereinigung (IV) als auch Wirtschaftskammer fordern eine rasche Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. In die gleiche Kerbe schlägt die Arbeiterkammer, und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) begrüßt die "Bewegung im Bereich der Schulpolitik".
Für IV-Generalsekretär Markus Beyrer decken sich die Ergebnisse der Experten weitgehend mit den Forderungen der Industrie. Es gehe nun darum, den vorliegenden Reformleitfaden in konkrete kurz, mittel- und langfristige Maßnahmen zu gießen und professionell umzusetzen. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) sollte eine Steuerungsgruppe von Experten und Praktikern einsetzen, welche die Detailausarbeitung und das Monitoring der Umsetzung sichert. Der Leiter der Bildungspolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer, Michael Landertshammer, fordert, dass die Schüler "optimal auf die Anforderungen des Arbeitslebens vorbereitet werden müssen und die Wirtschaft sich auf die Bildung der künftigen Arbeitnehmer verlassen können muss".
Der ÖGB-Berufsbildungsexperte Alexander Prischl erkennt in dem Endbericht der Kommission geeignete Maßnahmen, um die Qualität des Schulsystems zu verbessern. Besonders wird die vorgeschlagene Frühförderung begrüßt, die zumindest im Ansatz geeignet wäre, die Chancengleichheit im Schulsystem wieder herzustellen. Kritisch sieht Prischl die angepeilten Zugangsbeschränkungen in der Lehrer-Ausbildung. AK-Präsident Herbert Tumpel fordert ein verpflichtendes Vorschuljahr und ein Recht auf ganztägige Betreuung, das nur mit finanzieller Unterstützung der Gemeinden durch Länder und Bund möglich sei. Nach mehr als 30 Jahren Schulversuchen dürfe eine gemeinsame Grundschule für alle bis 14 "nicht weiter verschleppt werden", so Tumpel.
AHS-Lehrer gegen gemeinsame Ausbildung
"Zum Teil sehr interessante, zum Teil aber so nicht umsetzbare Vorschläge" orten die AHS-Lehrer im Endbericht der Zukunftskommission. Klar abgelehnt wird vor allem die von der Kommission vorgeschlagene gemeinsame Lehrer-Grundausbildung an den Pädagogischen Hochschulen. Die Ausbildung für AHS- und BHS-Lehrer müsse weiterhin vollständig an den Unis bleiben, betonte die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik, gegenüber der APA. Begleitend solle in Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen die didaktisch-methodische Ausbildung verbessert und bereits im ersten Jahr der Praxisbezug an den Schulen hergestellt werden. (apa/red)
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