Schulreform von Kommission präsentiert: Gehrer will viele Bereiche davon umsetzen!
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"Die Leistungen sind
wenig zufrieden stellend"
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat sich am Mittwochabend gegen den Vorwurf gewehrt, die Vorschläge der Zukunftskommission zur Schulreform weitgehend ignorieren zu wollen. Das Expertengutachten liege jetzt vor und "wir werden viele, viele Bereiche davon umsetzen", versprach Geher in der "ZiB2". In den von ihr vorgelegten acht "Arbeitspaketen" werde jeder Vorschlag geprüft.
Zum Thema Gesamtschule warnte Gehrer davor, einzelne Teile aus dem Bericht der Zukunftskommission herauszuklauben und als "Fähnlein" vor sich herzutragen. Ein System aus einem anderen Land einfach zu übernehmen, wäre der "falsche Weg". Man werde sich das gesamte Schulsystem anschauen und eine Expertengruppe werde mit einer harmonischen Weiterentwicklung beauftragt.
"Sitzenbleiben" wird eingeschränkt
Die österreichischen Schüler werden bei negativen Leistungen auch weiterhin "sitzenbleiben". Zwar finden sich in dem am Mittwoch präsentierten Endbericht der Zukunftskommission für das Schulwesen neben anderen brisanten Vorschlägen auch Empfehlungen für ein Einschränken des Repetierens. In den von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) gleichzeitig vorgelegten "Arbeitspaketen" sind aber keine entsprechenden Maßnahmen geplant. Auf Nachfrage betonte sie, Klassenwiederholungen durch die bereits erfolgte Optimierung des Frühwarnsystems sowie bessere Bildungsberatung vermeiden zu wollen. Bei der von der Kommission empfohlenen Einführung eines Kurssystems in der AHS-Oberstufe will sie zunächst Schulversuche abwarten.
Die Kommission weicht bei ihren Vorschlägen im wesentlichen nicht von ihrem 2003 veröffentlichten Zwischenbericht ab: In der Volks- und Hauptschule soll bei Verwirklichung bestimmter Fördermaßnahmen das Sitzenbleiben nur auf Antrag der Erziehungsberechtigten möglich sein, in der AHS-Oberstufe wird ein Umstieg vom Jahrgangs- zum Kurssystem angeregt. Bei einem negativen Abschluss eines Kurses müsste nur dieser wiederholt werden. Weiters schlagen die Experten unter Kommissions-Leiter Günter Haider eine gemeinsame Grundausbildung aller Lehrer in einem Bachelor-Studium an Pädagogischen Hochschulen und daran anschließende Masterstudiengänge etwa für Grundschulpädagogik oder Hauptschule/AHS-Unterstufe an den Unis vor. Für die Ausbildung soll es eine Zugangsbeschränkung geben.
Kommt verpflichtendes Vorschuljahr?
Die sprachliche Frühförderung will die Kommission in Form eines verpflichtenden Vorschul- oder Kindergartenjahrs verstärken. Die Lehrer sollen zu einer verpflichtenden Anwesenheit in der Schule während einer Kernarbeitszeit sowie während der letzten Ferienwoche verpflichtet werden. Die Schulen sollen eine Garantie für jahresbezogene Unterrichtszeit abgeben, wobei nur ein Stundenausfall von fünf Prozent toleriert wird.
Die Frage der Gesamtschule wurde vertagt: Für schulorganisatorische Maßnahmen empfahl die Kommission die Einsetzung einer "Strukturkommission", die Gehrer demnächst etablieren will. Die Experten hätten "gewisse Sympathien für das finnische Modell" der Gesamtschule mit individueller Förderung und umfassender Integration, so Kommission-Mitglied Werner Specht. Für die Einführung der Gesamtschule müsse es aber einen derzeit nicht vorhandenen nationalen Konsens geben.
Gehrer kündigt "Road Map" an
Gehrer kündigte eine "Road Map" für die Umsetzung einzelner Vorschläge bis 2006 an. Zu den acht "Arbeitspaketen" zählen etwa die Schaffung Pädagogischer Hochschulen sowie ein neues "Bundesmitarbeiterdienstrecht". In den Maßnahmen sind bereits bekannte Vorschläge wie die Fünf-Tage-Woche, verbindliche Lesetests und Erweiterung der Tagesbetreuung enthalten. In einem "Schulpaket II" sollen ebenfalls noch heuer gesetzliche Änderungen bei der Unterrichtszeit (jahresbezogene Berechnung, autonome Aufteilung), die Unterrichtsgarantie der Schulen und die bessere Nutzung von Schulanfang und Schulende (z.B. Anwesenheitspflicht der Lehrer in der letzten Ferienwoche) umgesetzt werden. Haider forderte, bei der Umsetzung die Vorschläge der Kommission als Gesamtpaket zu sehen.
Opposition: "Viele heiße Eisen werden in Ferne Zukunft geschoben"
Die Opposition sieht "einige positive Ansätze" und "gute Vorschläge". Allerdings würden viele heiße Eisen "in die ferne Zukunft geschoben oder gar nicht erst angesprochen", so der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser ortet im SPÖ-Bildungsprogramm "deutlich mehr an bildungspolitischen Vorschlägen, die zu einer Verbesserung des Schulsystems führen würden".
Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer (B) hält den geplanten Wegfall der Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze für essenziell für die Umsetzung der Maßnahmen. Dagegen bezeichnete seine Parteikollegin Mares Rossmann die Möglichkeit als "erfreulich", viele Vorschläge per Erlass umsetzen zu können. Begrüßt werden die Experten-Vorschläge von Industriellenvereinigung (IV) und Wirtschaftskammer, die eine rasche Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen fordern. In die gleiche Kerbe schlägt die Arbeiterkammer, der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) begrüßt die "Bewegung im Bereich der Schulpolitik".
Der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, will abwarten, welche Vorschläge Gehrer umsetzt und welche nicht. Im Gegensatz zu den AHS-Lehrern kann er sich eine gemeinsame Grundausbildung aller Lehrer an Pädagogischen Hochschulen vorstellen. Deren Standesvertretung lehnt dies vehement ab und will Lehrer an den höheren Schulen ausschließlich an Unis ausbilden. (apa/red)
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