Dienstag, 12. April 2005

Erschreckende TÜV-Bilanz: Viele Gefahr- guttransporte mit Mängeln in Österreich

  • Insgesamt gab es im letzten Jahr 15.546 Verstöße
  • TÜV fordert mehr Kontrollen & will Exekutive unterstützen

Auf Österreichs Straßen sind zu viele Gefahrgut-Transporte mit schweren Mängeln unterwegs. Von den im Jahr 2004 insgesamt 5.373 überprüften Fahrzeugen mit gefährlicher Ladung wies im Schnitt jedes drei Mängel auf. "Es gab insgesamt 15.546 Verstöße." Das sagte Oberst Karl Wammerl, Leiter der Verkehrsabteilung der Bundespolizeidirektion Wien anlässlich der Präsentation des TÜV-Sicherheitsberichts am Dienstag in Wien.

Jeweils rund ein Drittel der Verstöße, so Wammerl, betreffen die Kennzeichnung des Transports, die Fahrzeugpapiere und die Ladungssicherung. Letzteres ist ab Juli auch ein Punkt im Führerschein-Vormerksystem, beim zweiten Vergehen kommt es somit zum Führerscheinentzug. "Wir trauen manchmal unseren Augen nicht, was es alles gibt", sagte Wammerl und berichtete von Gefahrgut-Transportern mit "Reifen ohne Laufflächen oder Bremsen mit Durchrostungen". Und bei der Überprüfung einer Augensprühflasche - die mitzuführen ist, wenn ätzende Flüssigkeiten geladen sind - wurde statt reinem Wasser reiner Wodka gefunden.

Abhilfe schaffen könnten nur mehr Überprüfungen und bessere und vorgeschriebene Schulungen, waren sich Wammerl und Gerhard Mayer, Leiter der Gefahrguttransportabteilung der Rail Cargo Austria, sowie Walter Bussek vom TÜV Österreich einig. Der TÜV hat schon vor zwei Jahren dem Verkehrsministerium seine Unterstützung - es geht um Überprüfungen im Testzentrum im Süden Wiens - angeboten. "Das können wir nur begrüßen", sagte Wammerl. Eine Entscheidung aus dem Ministerium, so Bussek, gebe es aber noch immer nicht.

Mayer kritisierte, dass das Intervall der international vorgeschriebenen Schulungen zu groß sei. Statt alle fünf Jahre zwei Tage Nachhilfe zu geben, wäre es besser, alle zwei Jahre einen Tag zu unterrichten: "Noch dazu, da sich alle zwei Jahre ohnehin die Vorschriften ändern."

Um den Transportunternehmern und deren Lenkern eine alternative Schulungsunterlage anzubieten, hat Mayer gemeinsam mit dem TÜV den 370 Seiten schweren Ratgeber "Der Gefahrgutpraktiker" herausgegeben. Und nicht nur in Deutsch, sondern auch auf Ungarisch und Tschechisch. Weitere Auflagen in slowenischer und serbo-kroatischer Sprache sind in Arbeit. Das Buch kann direkt bei der TÜV-Akademie unter der Nummer 01-617-52-50-187 oder per Mail unter akad@tuev.at bestellt werden und kostet 29 Euro.
(apa)

12.4.2005 13:38