Freitag, 8. April 2005

Kirk Kerkorian blitzt ab: Milliardenklage gegen DaimlerChrysler ist gescheitert

  • Klage des einst größten Aktionärs nach der Fusion

Sieg für DaimlerChrysler auf der ganzen Linie: Der US-Investors Kirk Kerkorian ist nach vier Jahren Rechtsstreit mit seiner Milliardenklage gegen den deutsch-amerikanischen Autobauer in den USA gescheitert. Das US-Bezirksgericht in Wilmington im Staat Delaware entschied am Donnerstag (Ortszeit), es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass Kerkorian bei der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler getäuscht worden sei. Konzernchef Jürgen Schrempp zeigte sich zufrieden mit dem Urteil.

Schrempp sagte, damit sei ein für alle Mal klargestellt, dass die Vorwürfe jeder Grundlage entbehrten. "Wir werden uns weiterhin darauf konzentrieren, den Zusammenschluss zum Erfolg zu führen, indem wir konsequent unsere Strategie umsetzen und unser operatives Geschäft in den USA, in Deutschland und weltweit optimieren." Nach Angaben eines Konzernsprechers sind in der USA keine weiteren Klagen wegen der Fusion anhängig.

Kerkorian will nun alle Optionen prüfen. Man sei natürlich von dem Urteil enttäuscht, teilte Kerkorians Investmentgesellschaft Tracinda mit.

In dem Gerichtsverfahren forderte der 87 Jahre alte Kerkorian, dessen Investmentfirma Tracinda vor der Fusion der beiden Unternehmen mit einem Anteil von 13,75 Prozent größter Besitzer von Chrysler-Aktien war, von dem Stuttgarter Konzern über eine Milliarde Dollar (770 Mio. Euro) Schadenersatz. Im Falle einer Übernahme hätte Kerkorian mit einer höheren Zahlung rechnen können als bei einer Fusion.

Kerkorian: "Verbindung unter Gleichen" war Täsuchung
Kerkorian hatte vor Gericht ausgesagt, er habe der Fusion nur zugestimmt, weil sie als "Verbindung unter Gleichen" dargestellt worden sei. Dies sei jedoch eine Täuschung gewesen. Nach Darstellung von DaimlerChrysler hatte Kerkorian die 1998 vollzogene Fusion unterstützt. Erst als seine Aktien an Wert verloren, sei Kerkorians Ärger gewachsen.

Die Klage des US-Milliardärs stützte sich zum Teil auf einen Bericht der "Financial Times" aus dem Jahr 2000, in dem Konzernchef Jürgen Schrempp mit den Worten zitiert wird, er habe die Fusion niemals als Geschäft gleichberechtigter Partner geplant. Lediglich aus "psychologischen Gründen" sei diese Bezeichnung gewählt worden. Schrempp beschrieb Chrysler in dem Artikel lediglich als "Abteilung" von Daimler.

In der Urteilsschrift, die 124 Seiten umfasst, verwarf Bezirksrichter Joseph Farnan die Klagepunkte. Anfangs hatte Kerkorian zwischen 8 und 9 Mrd. Dollar Schadensersatz gefordert. Ein Anwalt von Kerkorians Investmentfirma, Terry Christensen, erklärte, man sei natürlich enttäuscht über das Urteil. Er verwies aber auch darauf, dass DaimlerChrysler im August 2003 eine ähnliche Klage mit einer Zahlung von 300 Mio. Dollar außergerichtlich beigelegt habe. Das Unternehmen erklärte jedoch damals, es halte die Klage weiterhin für unbegründet. Der Vergleich sei mit Hinblick auf die Besonderheiten des amerikanischen Rechtssystems geschlossen worden, nachdem nicht auszuschließen gewesen sei, dass ein örtliches Geschworenengericht zu einem anderem Ergebnis hätte kommen können.

In Stuttgart ist vor dem Landgericht noch ein Spruchstellenverfahren anhängig. Beim Landgericht hatten mehrere Aktionäre das Verfahren beantragt. Damit soll der finanzielle Aspekt des Zusammenschlusses der Autobauer unter die Lupe genommen werden. Die Kritiker hatten bemängelt, dass der Wert von Chrysler bei der Fusion zu hoch angesetzt worden sei. Ein Ende des Verfahrens ist noch nicht abzusehen. (apa)

8.4.2005 13:38