Unglaublicher Skandal bei Magna-Steyr: Mitarbeiter stahlen Autoteile im großen Stil
- Der Gesamtschaden beträgt mindestens 700.000 Euro
- 25 Grazer Beschäftigte entlassen, 54 Täter, zwei in Haft

Erst im Februar ist ein Magna-Mitarbeiter verurteilt worden, weil er Puch-G-Teile im großen Stil entwendet hatte. Nun kamen Gendarmen des Postens Kalsdorf auf die Spur weiterer Fahrzeugteil-Diebe: "54 Personen sind ausgeforscht, zwei davon in Haft", so die ermittelnden Revierinspektoren Herwig Sorger und Wolfgang Ulrich.
Von den Verdächtigen sind 25 zum Teil langjährige Mitarbeiter von Magna Steyr, deren Dienstverhältnisse wegen der Taten bereits beendet wurden. "Gesamt wurden Teile im Wert von 700.000 Euro, die auf zwei 40-Tonnen-Lkw gepasst hätten, gestohlen", berichteten die Gendarmen am Mittwoch. Motor, Kotflügel, Lenkrad, Karosserien, Felgen, Radio, Navigationssystem - es gab nichts, was die Diebe nicht mitnahmen. Die Teile wurden zum Teil über Hehler an Autohändler und Werkstätten verkauft, aber auch zum "Eigenbau" von Puch G verwendet. Die Gendarmen fanden in über die ganze Steiermark verstreut angelegten "Lagern", aber auch in den Wohnobjekten der Verdächtigen Fahrzeugteile. Gendarm Sorger: "Die Lager waren im Wald, im Heu und an allen unmöglichen Stellen in den Häusern angelegt." Ein Täter habe, als er von Komplizen alarmiert wurde, dass ihm die Gendarmerie bereits auf der Spur sei, eine ganze Puch-G-Karosserie im Wald vergraben.
Diebesguttransporte per Lkw
Da die Kriminalabteilung des Landesgendarmeriekommandos Steiermark wegen Personalmangels nicht bei den Ermittlungen helfen konnte, bildeten die Gendarmen des Postens Kalsdorf eine eigene Kriminalistengruppe. "Wir hatten in den vergangenen zwei Monaten zwar durchgehend 17- bis 18-Stunden-Tage, aber es hat sich gelohnt", sagte Inspektor Ulrich. 54 Personen wurden nun wegen des Verdachts der schweren gewerbsmäßigen Hehlerei bzw. des schweren gewerbsmäßigen Diebstahls oder wegen beider Tatbestände angezeigt, zwei von ihnen sitzen in Haft. Dabei handelt es sich um einen 35 Jahre alten Beschäftigten und einen 54-Jährigen, der seit 23 Jahren bei Magna arbeitete, so Personalchef Erich Maier. Die umfangreichen Diebstähle seien nur möglich gewesen, weil sich die Verdächtigen untereinander seit Jahren kannten und auch ein Portier mitmachte, der bei Diebsguttransporten per Lkw aus dem Werksgelände beide Augen zudrückte.
Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen
Die Magna Steyr Fahrzeugtechnik wird nun laut Maier die Sicherheitsmaßnahmen verstärken, "das Netz engmaschiger knüpfen, mittels Überwachung, Wegsperren von Gütern und Verplomben". Bei Magna legte man Wert auf die Feststellung, dass bei rund 9.000 Beschäftigten nur einige "schwarzer Schafe" waren. Laut den Gendarmen sind die teils voneinander unabhängig vorgehenden Täter - es haben sich lediglich zwei kleine, organisierte Gruppen gebildet - seit mindestens fünf Jahren aktiv gewesen. Für die Ermittler gab es eine Belobigung von ihren Chefs, Magna-Steyr stellte sich mit einem 1.000-Euro-Scheck für den Fonds für in Not geratene Gendarmeriebeamte ein. (APA/red.)
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