Dienstag, 5. April 2005

Wegen zu viel Sex-Belästigungen: Tokio bekommt erste U-Bahn nur für Frauen

  • Sexuelle Belästigung in Zügen hat sich verdreifacht
  • Linie umrundet Tokio und wurde von Frauen gefürchtet

Im Kampf gegen sexuelle Belästigung hat die U-Bahn-Gesellschaft von Tokio nun erstmals für den morgendlichen Berufsverkehr einen speziellen Zug für Frauen eingerichtet. Der am Montag eingeweihte Zug verkehrt täglich von 7.30 Uhr bis 9.30 Uhr auf der Linie Saikyo, einer der am meisten befahrenen U-Bahn-Strecken der japanischen Hauptstadt.

Die Linie, die Tokio umrundet, wird von Frauen wegen der großen Entfernungen zwischen den Stationen besonders gefürchtet; die Züge auf dieser Strecke sind oft überfüllt. Unter anderem passiert die Linie den Bahnhof Shinjuku, den größten in Japan, der täglich von mehr als drei Millionen Passagieren genutzt wird. In den Abendstunden können Frauen bereits seit Juli 2002 einen separaten Zug auf derselben Linie nutzen.

2004 registrierte Polizei 2.200 Fälle von sexueller Belästigung
Laut einem Bericht der japanischen Polizei hat sich die Zahl der sexuellen Belästigungen in U-Bahnen in den vergangenen acht Jahren verdreifacht. Im Jahr 2004 registrierte die Polizei rund 2.200 Fälle von sexueller Belästigung. Darunter waren Attacken durch Anfassen, aber auch schwerere Vergehen. Ein Drittel der Opfer waren Schülerinnen. Die Polizei ermittelt derzeit gegen etwa 1.900 Passagiere im Alter von 14 bis 80 Jahren. In anderen japanischen Großstädten, darunter Osaka, gibt es bereits seit längerem Frauen-U-Bahnen für den Berufsverkehr in der Früh.
(apa/red)


5.4.2005 09:43