Mittwoch, 6. April 2005

ÖIAG steht vor Aus

  • Industrie-Boss fordert ÖIAG-Zerschlagung und neue Privatisierungswelle

Verstaatlichte ade. Der Verkauf von Austria Tabak, VA Tech & Co spülte 6 Milliarden Euro in die Staatskassa. Jetzt sollen auch die Länder ihre Firmenanteile verkaufen.

Die ÖIAG, von der Regierung zur „Privatisierungsagentur“ geadelt, hat Grund zum Feiern. Erstmals seit Bestehen des Konstrukts präsentiert sich die Staatsholding schuldenfrei. Betrachtet man den Schuldenberg von 6,3 Milliarden Euro, der noch Ende 1999 bestanden hat, eine reife Leistung, zu der die Verkaufserlöse von Austria Tabak, voestalpine, VA Tech, Telekom Austria, P.S.K. & Co beigetragen haben. Damit steht jedoch die ÖIAG selbst vor dem Aus. Denn wenn der Privatisierungsauftrag 2006 erledigt ist, braucht es keine Staatsholding in dieser Form mehr.

ÖIAG neu. Industriellenpräsident Veit Sorger lässt nun mit seinem Vorschlag für eine „ÖIAG neu“ aufhorchen. „Die Privatisierung ist ein großer Erfolg in Österreichs Industriegeschichte. Diesen Weg darf man nun nicht verlassen“, fordert Sorger im NEWS-Interview. Nach den Vorstellungen der Industrie soll die ÖIAG geteilt werden:

  • Infrastrukturholding. In dieser Gesellschaft sollen die Staatsanteile, die nicht zur Privatisierung anstehen, aktiv gemanagt werden. ÖIAG-Beteiligungen wie die Ölgesellschaft OMV (31,5 Prozent Anteil) und die Fluglinie Austrian (39,7 Prozent) wären hier gut aufgehoben. Auch Post und Telekom Austria, so sie bis Herbst 2006 nicht voll privatisiert werden, könnten hier verwaltet werden. Ob Asfinag, Bundesforste und der Verbund hinzukommen, wie es sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser vorstellt, wird politisch entschieden. Vorläufig nicht hineinkommen sollen die ÖBB. Obwohl sich Sorger vorstellen kann, dass zumindest Teile der Bundesbahnen sogar börsefit gemacht werden können. „Dazu müssen aber erst umfassende Reformen greifen“, so der IV-Präsident.

  • Privatisierungsholding. Großen Wert legt Sorger auf die Weiterführung der Privatisierung, die in dieser neuen Gesellschaft passieren soll. Der Industrie geht es dabei nicht nur um die weitere Privatisierung von Bundesanteilen. Als nächster Schritt sollen Landesgesellschaften wie Banken, Energieversorger, Flughäfen, Abwasserverbünde und Energiegesellschaften privatisiert werden. Sorger setzt dabei auf das „Erfolgsmodell Telekom“: Börsengänge sollen mehr Effizienz in die Unternehmen bringen, und am Ende stehen niedrigere Preise für die Verbraucher. „Der volkswirtschaftliche Effekt könnte enorm sein“, glaubt der Industrie-Chef.

    Die ganze Story und das Interview mit Veit Sorger finden Sie im neuen NEWS

    6.4.2005 14:36