Ampel auf Orange - Haiders Partei muss um Regierung und gegen die FP kämpfen
- Wie BZÖ-Chef Haider neue Unterstützer gewinnen will
- Plus: Die geheime Absprache zur Rettung der Regierung

Am Dienstagabend war die Welt für Jörg Haider wieder für ein paar Stunden heil. Im Wiener Ronacher konnte er schließlich den Wiener Strizzis eigentlich ja eher den vielen Kärntner Zuwanderern in Wien sein schönes Bundesland präsentieren.
Vor allem aber konnte der ehemalige blaue Obmann und nunmehrige designierte Chef der orangen Partei mit dem spröden Namen Bündnis Zukunft Österreich, lässig, flott die Geburt seines heiß ersehnten Wunschbabys im Rahmen des Abends bei Freunden ausgiebigst feiern.
Als Geburtsgeschenk erhielt Haider amüsanterweise das originale Oppositionshalstuch des ukrainischen Premiers Juschtschenko.
Blau-orange Schulden. Seit vergangenem Montag ist die lang geplante Entbindung der Haider-Bewegung, wie sie NEWS seit Wochen angekündigt hatte, jedenfalls offiziell vollzogen worden. Der 55-jährige Neopapa hat seiner politischen Heimat gemeinsam mit seiner Schwester Ursula Haubner, Vizekanzler Hubert Gorbach und dem gesamten FP-Regierungsteam schlicht den Rücken gekehrt, um in einer neuen Bewegung mit alten Köpfen sein Heil zu suchen.
Bei einem Gründungsparteitag in wenigen Wochen wird Haider wieder an die Spitze einer Partei, pardon: Bewegung zurückkehren. Besonders angenehmer Nebeneffekt für den neuen, alten Parteichef: Die mindestens 3,2 Millionen Euro Schulden seiner ehemaligen politischen Heimat überlässt er in der ihm eigenen Großzügigkeit schlicht der FPÖ.
Ein Vorgang, der laut Haider und seinen Rechtsberatern juristisch gedeckt sei, da der FPÖ die Parteienförderung und das Geld für die Akademie bliebe. Seine ehemaligen Parteifreunde wollen freilich die üppigen Euroschulden den Orangen als Taufgeschenk wieder mitgeben. Dann hätte die neue Wohlfühlpartei wohl größte Überlebensschwierigkeiten. Denn über seine sonstigen angeblich spendablen Gönner schweigt sich Haider aus. Aber mit den Altlasten seiner eigenen Vergangenheit will er sich ohnehin nicht mehr beschäftigen, sondern in die Zukunft schauen.
Westenthaler will mit. Und weil diese Vergangenheitsbewältigung à la Haider offenbar derzeit für blaue Gemüter besonders en vogue ist, wollen auch gleich mehrere Ex-Haider-Mitstreiter mit ihrem einstigen Helden den Sprung ins Orange wagen. Ex-FP-Klubchef Peter Westenthaler etwa, der noch 2002 betont pathetisch Adieu zu Haider gesagt hatte, reiste vergangenen Samstag eigens zur Wörther-see-Saisoneröffnung ins Pörtschacher Hotel Werzer, um sich dort besonders lang und innig mit Haider zu unterhalten. Und weil dessen ehemals größter Fan (knapp nach HC Strache) weiß, was bei Haider zum guten Ton gehört, erschien er auch gleich mit passender orangefarbener Krawatte. Im NEWS-Interview erklärt Haider dazu: Westenthaler ist sicher an etwas Neuem interessiert. Aber das BZÖ-Team muss entscheiden, ob das für sie tragbar ist. Auch Kurzzeit-FP-Chef Mathias Reichhold hat bereits Interesse an Orange bekundet. In den nächsten Monaten will Haider jedenfalls noch jede Menge alte und neue Mitstreiter für sein Politbaby gewinnen.
Neue Sanftmut in Orange.
Im NEWS-Interview schlägt der Oberorange dafür denn auch besonders sanfte Töne an: Er habe immer nur konstruktive Kritik geübt und bekenne sich voll zur Regierungstätigkeit. Die vergangenen Jahre der permanenten Haider-Kritik an seiner Expartei und der schwarz-blauen Regierung sollen einfach Schnee von gestern sein. So wolle er eben keinesfalls eine Schlammschlacht gegen seine ehemaligen blauen Mitstreiter betreiben. Denn dies wäre nicht glaubwürdig, weil man doch so viele Jahre miteinander gearbeitet habe.
Präsentiert sich uns wieder ein neuer Haider? Hat der ehemals verbal-rabiate blaue Oppositionsführer wirklich das Kampfgewand von einst abgestreift? Oder sieht Haider in diesem neuerlichen Imagewandel bloß seine letzte Rettung? Wohl eher das.
Die ganze Story und das Interview mit Jörg Haider finden Sie im neuen NEWS
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