Der Papst, ein Leben. Abschied vom Heiligen Vater auf 50 Seiten im neuen NEWS
- Seligsprechung? Der Papst wartet darauf, zur Ehre der Altäre erhoben zu werden.
An die zehn Kilometer lang ist die Menschenschlange, die sich seit Montag vorbei an der Engelsburg, durch die Via della Conziliazione bis zum Petersdom zur offen aufgebahrten Leiche von Johannes Paul II. schiebt. Bis zu sieben Stunden stellten sich Hunderttausende Rom-Pilger an, um sich vom toten Pontifex zu verabschieden.
Selbst im Tod noch ist der Wojtyla-Papst für einen Superlativ gut die größte Trauergemeinde zum spektakulärsten Begräbnis der Welt.
Sollte der 265. Nachfolger Petri dann auch noch während des Konklaves per Akklamation durch die Kardinäle selig gesprochen werden, wie dies professionelle Vatikanologen mutmaßen, dann wäre auch das noch ein Rekord: die schnellste Kanonisierung in der bisherigen Papstgeschichte. Indizien hiefür gibt es.
Groß im Leben und im Sterben.
Karol Wojtyla starb mit der Heiterkeit eines Heiligen, sagte Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano während der Gedenkmesse anlässlich des Todes von Johannes Paul II. am vergangenen Sonntag. Im ursprünglichen Redemanuskript war das Attribut Johannes Paul der Große vermerkt in der tatsächlich gesprochenen Predigt unterdrückte der Kardinal diese Passage.
Dafür attestierte Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn dem verblichenen Papst umfassende Vorbildlichkeit: Johannes Paul sei groß im Leben und im Sterben gewesen.
Alles das sind Zeichen, dass der Pontifex aus Polen relativ schnell in den Stand der Seligkeit erhoben werden wird.
Johannes Paul II. starb in Anwesenheit seines päpstlichen Haushaltes fünf polnische Nonnen und sein langjähriger Sekretär Stanislaw Dziwisz waren bis zum letzten Atemzug bei ihm. Leibarzt Renato Buzzonetti hat 20 Minuten lang medizinische Tests durchgeführt, ehe er den Tod des Oberhauptes der römisch-katholischen Christenheit offiziell bezeugte: Ich bestätige, dass Seine Heiligkeit Johannes Paul II., geboren in Wadowice (Polen) am 18. Mai 1920, wohnhaft in Vatikanstadt, Bürger des Vatikans, am 2. April 2005 um 21.37 Uhr infolge eines septischen Schocks und eines irreversiblen Herz-Kreislauf-Zusammenbruches im Apostolischen Palast des Vatikans gestorben ist.
Septischer Schock.
Die auf das Schussattentat im Jahr 1981 rückführbare Krankengeschichte des Papstes ist gleichzeitig eine unüblich dramatische Leidensgeschichte. Am Patienten Wojtyla wurden zahlreiche ärztliche Kunstfehler begangen (darunter eine viel zu spät erkannte Krebserkrankung oder ein schlecht eingepasstes künstliches Hüftgelenk), die unbeschreibbare Schmerzen verursacht haben müssen. Neunmal war Wojtyla Patient in der römischen Poliklinik Gemelli, gut fünfmal davon wurde er medizinisch unvertretbar viel zu früh aus der ärztlichen Obsorge entlassen. Möglicherweise geschah das auf Wunsch des Papstes selbst.
Konsequentes Ende. Seit Anfang der 90er Jahre litt Wojtyla an der Parkinsonkrankheit. Deren Wesen ist der konsequente Untergang von Gehirnzellen, verbunden mit dem sukzessiven Defizit an Botenstoffen (Transmittern). Zum klassischen Krankheitsverlauf gehört der völlige Verlust der Körperkontrolle. Bei den meisten Parkinsonpatienten führt eine Lungenentzündung zum Tod. Bei Wojtyla war es eine Sepsis, die durch mangel-haft über Katheter abgeleiteten Restharn ausgelöst wurde. Da Wojtyla per Verfügung bestimmt hatte, dass sein Leben keinesfalls durch aufwendige Apparatemedizin verlängert werden dürfe, wurde er in seinen letzten Tagen auch nicht mehr intensivmedizinisch betreut. Der Patient bekam bis zuletzt schmerzmindernde Mittel, nachdem die Sepsis außer Kontrolle geraten war. Todesursache war schließlich allgemeines Organversagen. Alles in allem entsprach der Krankheitsverlauf der für den Morbus Parkinson eigenen Symptomatik.
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