Montag, 4. April 2005

Bilanz im 1. Quartal: Zahl der Firmen- und Privatpleiten in Österreich gestiegen

  • 1.719 Unternehmen und 1.582 Private gingen pleite
  • 385.000 Österreicher haben Zahlungsprobleme

Die Zahl der Firmen- und Unternehmenspleiten in Österreich ist im 1. Quartal 2005 im Jahresvergleich wieder gestiegen, allerdings nicht mehr so dramatisch wie vor einem Jahr. Insgesamt waren im 1. Quartal 1.719 Unternehmen und 1.582 Private pleite, geht aus der am Montag veröffentlichten Insolvenzstatistik des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) hervor. Rund 385.000 Österreicher haben Zahlungsprobleme, das waren um 50.000 mehr als vor drei Jahren, so KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner zur APA.

Die Firmenpleiten stiegen um 13,0 Prozent auf insgesamt 1.719 Fälle. Dabei erhöhten sich die eröffnete Verfahren nur geringfügig, und zwar um 0,5 Prozent auf 752 Verfahren, während die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge um dramatische 25,1 Prozent auf 967 Fälle zulegten. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer ging erfreulicherweise um 9,3 Prozent auf 4.900 Personen zurück, die Zahl der betroffenen Gläubiger sank um 12,8 Prozent auf 19.800. Deutlich rückläufig waren auch die Insolvenzverbindlichkeiten und zwar um 22,2 Prozent auf 343 Mio. Euro.

Bei den Privatkonkursen nahm die Gesamtzahl im 1. Quartal im Jahresvergleich um 13,7 Prozent auf 1.582 Fälle zu, bei den mangels Masse abgewiesenen Fällen betrug der Zuwachs 40,1 Prozent auf 304 Fälle, die Insolvenzverbindlichkeiten bei den Privaten erhöhte sich um 9,5 Prozent auf 148,2 Mio. Euro.

Für eine Prognose für die Entwicklung der Firmenpleiten im Gesamtjahr 2005 sei es derzeit noch zu früh, so Kantner. Gegenüber dem 4. Quartal 2004 haben die Pleiten jedenfalls abgenommen und zwar um 3 Prozent. Ob dieser Trend anhalte, werde sich voraussichtlich erst nach dem 1. Halbjahr zeigen. 2004 gab es in Österreich rund 6.300 Unternehmensinsolvenzen. Der KSV hatte zum Jahresende insgesamt einen leichten Rückgang prognostiziert.

Bei den Privatkonkursen hingegen geht Kantner heuer von einem Plus von 15 Prozent auf rund 6.400 Fälle aus. Der Zuwachs werde damit aber nicht so dramatisch wie im vorangegangenen Jahr ausfallen, als die Privatkonkurse um 25 Prozent zulegten. Im 1. Quartal 2004 waren die Privatpleiten im Jahresvergleich sogar um 34 Prozent gestiegen. Indikator für die steigenden Zahlungsprobleme der Österreicher sind die Eintragungen auf der sogenannten Watchliste des KSV der Warenkreditevidenz (WKE). So nahm die Zahl der Problemzahler innerhalb von 3 Jahren um 15 Prozent oder um 50.000 auf 385.000 Betroffene zu.

Die größten Firmenpleiten im 1. Quartal waren der Konkurs des oberösterreichischen Metallbauunternehmen mandl + eckl mit Passiva von 22,9 Mio. Euro gefolgt vom Anschlusskonkurs des burgenländischen Torherstellers Guttmann mit 14,3 Mio. Euro. Das Bild der betroffenen Branchen blieb unverändert. Die meisten Pleiten und die höchsten Verbindlichkeiten gab es in der Bauwirtschaft.(apa)

4.4.2005 11:35