Donnerstag, 14. April 2005

Mateschitz-Ziel nach Einstieg bei Salzburg:
"Mittelfristig in Europa mitspielen"

  • Neo-Boss will "Spitzenposition in der Meisterschaft"
  • Milliardär denkt über eigenes Red-Bull-Stadion nach

Sensation im österreichischen Fußball. Red Bull steigt bei Salzburg ein. Die APA hat mit Dietrich Mateschitz, der am Mittwoch Abend mit seinem Konzern Red Bull den österreichischen Fußball-Bundesligisten SV Salzburg übernommen hat, gesprochen.

APA: Beginnt Ihr Engagement beim SV Salzburg sofort, wie sieht Ihr Zeitplan aus?
Mateschitz: "Die Übernahme beginnt ab sofort, wobei die erste Zeit sicherlich mit einer Analyse und Bewertung der bestehenden Strukturen, des Mannschaftspotenzials, der Logistik, der Finanzierung, etc. begonnen wird. Die weitere Vorgehensweise hängt vom Ergebnis und der Bewertung dieser Analysen ab."

APA: "Was passiert mit den aktuellen Funktionären (Quehenberger, Blaikner) bzw. sportlich Verantwortlichen (Jurcevic, Assion)? Wird es ein neues Führungsteam geben?
Mateschitz: "Das hängt vom Ergebnis der vorhergehenden Analysephase ab. Wir werden Herrn Quehenberger, mit dessen Namen 20 Jahre Vereinsgeschichte verbunden ist, den Titel des Ehrenpräsidenten anbieten."

APA: Welche Aufgaben wird Franz Beckenbauer übernehmen - sportliche Mitsprache oder nur repräsentative Funktionen?
Mateschitz: "Es geht ausschließlich darum, dass uns Franz Beckenbauer mit seinem gesamten, einzigartigen Fußball-Know-How zur Verfügung steht. Er begleitet uns in unserem Engagement als Freund und Berater."

APA: Welche Summe sind Sie bereit zu investieren, und wie wollen Sie ähnliche "Geld-Vernichtungsaktionen" wie bei der Austria vermeiden?
Mateschitz: "Nach Kenntnis der derzeitigen Budgetlage ist es sicher notwendig, diese etwas anzuheben, andererseits wird auch verhindert werden, mit übertriebenen Budgets kurzfristig internationale Namen bzw. eine Legionärs-Gruppe zusammenzustellen. Es liegt in einem gesunden Mittelmaß. Das ist aber letztlich nicht unsere Entscheidung, sondern die des Verantwortlichen im Klub."

APA: Wie genau definieren Sie die sportlichen Ziele und was passiert im Falle eines Salzburg-Abstiegs?
Mateschitz: "Von einem möglichen Abstieg gehen wir nicht aus. Die sportlichen Ziele müssen natürlich sein, mittelfristig in den europäischen Wettbewerben mitzuspielen, was wiederum eine Spitzenposition in der österreichischen Meisterschaft voraussetzt."

APA: Zu Saisonende laufen 17 Spielerverträge aus. Wie stellen Sie sich den Kader für die kommende Saison vor? Werden Sie verstärkt auf österreichische Talente oder auf Legionäre setzen und könnten Sie sich vorstellen, einen absoluten Superstar zu verpflichten?
Mateschitz: "Diese Fragen kommen zu früh und können noch nicht beantwortet werden. Wir werden natürlich versuchen, weitgehend auf österreichische Spieler und Talente zurückzugreifen. Sofern diese im ausreichenden Maß zur Verfügung stehen."

APA: Können Sie sich vorstellen, auch als Namensgeber für das Stadion Wals-Siezenheim zu fungieren?
Mateschitz: "Dass die Roten Bullen in einem Red Bull-Stadion spielen, wäre durchaus stimmig und richtig."

APA: Planen Sie eine ähnliche Akademie wie Stronach in Hollabrunn?
Mateschitz: "Dass das Thema Nachwuchs und Jugend ein vordringliches sein wird, ist selbstverständlich. Ob es den Namen Fußballakademie bekommen wird, steht noch in Frage."

APA: Beschränkt sich Ihr Engagement nur auf den Klub SV Salzburg oder ist an weitere Sponsor-Tätigkeiten im österreichischen Fußball gedacht?
Mateschitz: "Nein, an eine weitere Tätigkeit ist nicht gedacht."

APA: Können Sie sich vorstellen, Österreich in Bezug auf die Stadionproblematik in Klagenfurt zu Hilfe zu kommen?
Mateschitz: "Nein, ich bin nicht einmal mit einer bestehenden Problematik vertraut."

APA: Wie könnte ein Red-Bull-Engagement für die WM 2006 oder die EURO 2008 aussehen?
Mateschitz: "Marketing bzw. werblich wird es keines geben. Sportlich ist es unser Ziel, mit einer größtmöglichen Anzahl von Spielern aufzutreten, die ein Teamchef aus unserem Klub in Erwägung ziehen könnte."

APA: Werden Sie im Fußball einen ähnlichen Weg wie im Eishockey einschlagen?
Mateschitz: "Nachdem auch im Fußball der sportliche Erfolg über eine richtig zusammengesetzte Mannschaft und dessen Trainer geht, ist ein derartiger Weg der einzig richtige." (apa)

14.4.2005 10:49