Donnerstag, 14. April 2005

Mateschitz neuer Eigentümer der Salzburg
Sport AG: Red Bull verleiht dem SV Flügel!

  • Preis für die Salzburger mit 7 Millionen Euro kolportiert
  • Sport AG-Vorstand: "Auf laufende Saison kein Einfluss"

Erfolg kann man nicht kaufen. Sagen Fußball-Experten und belegen dies mit zahlreichen Beispielen - der internationale Absturz des "Galaktischen" von Real Madrid dient dazu als jüngster Beweis. Geht sehr wohl, sagen Anhänger der monetären Hilfestellung und verweisen auf den Chelsea Football Club. Im Gegensatz zum englischen Traditionsverein, der vor dem ersten Meistertitel seit einem halben Jahrhundert steht, werden in Österreich kleinere Brötchen gebacken. Aber Frank Stronach steht mit Austria Magna immerhin bereits im UEFA-Cup-Viertelfinale und seit dem am Mittwoch fixierten Einstieg von Dietrich Mateschitz in Salzburg soll Red Bull auch den Violetten aus der Mozartstadt zu neuer Blüte verhelfen.

Franz Strohsack aus Weiz war 1999 in der rot-weiß-roten Kicker-Szene mit seinen Millionen eingestiegen, der russische Ölmagnat Roman Abramowitsch hatte sich 2003 mit den "Blues" von der Stamford Bridge ein neues Spielzeug zugelegt. Seit Mittwoch Abend wissen auch die Herren Kahn und Co., wo der Lampard den Most holt. Nun soll die Salzburger Austria, die seit Jahren unter diversen Sponsor-Namen wie SV Casino oder aktuell als SV Wüstenrot auftritt, zurück in die Zukunft.

1994 mischten Spieler wie Konrad, Weber, Feiersinger, Pfeifenberger halb Europa auf. Im UEFA-Cup wurden u.a. Sporting Lissabon, Eintracht Frankfurt und der Karlsruher SC eliminiert, ehe erst im Finale gegen Inter Mailand unglücklich mit zwei Mal 0:1 Endstation war. Auch in der Champions League gegen AEK Athen, Ajax Amsterdam und AC Milan füllten die Salzburger das Wiener Prater-Stadion und sorgten für Fußball-Festspiele.

Dorthin wollen die Violetten, die im Sommer 2003 mit Scheich Khalid Al Qassimi aus dem Emirat Sharjah schlechte Investor-Erfahrung gemacht hatten, zurück. Mateschitz und Red Bull sollen dabei Flügel verleihen. Am Mittwoch Nachmittag fixierte der 60-jährige Beute-Salzburger (der milliardenschwere Geschäftsmann ist gebürtiger Steirer) gemeinsam mit Ex-Präsident Rudi Quehenberger und einem gewissen Franz Beckenbauer den Einstieg von Red Bull in die wichtigste Sportart der Welt. Die WM 2006 in Deutschland und die EM 2008 in Österreich waren ein zu großer Reiz für den strikten "Anti"-Kicker Mateschitz.

Der "Kaiser" persönlich, mit dem Lieblingsnachbarn der Österreicher immerhin Weltmeister 1974 als Spieler und 1990 als Trainer, ist also Berater. Und er wird einiges zu tun bekommen. Der Ex-Meister kämpft derzeit als Vorletzter gegen den Abstieg aus der höchsten Spielklasse und verfolgt den internationalen Fußball derzeit nur im TV-Gerät. 100 Prozent der Salzburg Sport AG (85 % von Rudi Quehenberger und 15 % von Heinz Kluppenegger) gehören dem Red Bull-Chef. Als "Ablösesumme" wurden sieben Millionen Euro kolportiert.

"Den Zeitpunkt des Beginns des Engagements und das Investitions-Volumen wird Red Bull bekannt geben, aber auf die laufende Saison 2004/05 hat der Einstieg keinen Einfluss", erklärte Salzburg Sport AG-Vorstand Gernot Blaikner. "Schnelle Grundsatz-Entscheidungen sind aber im Hause Red Bull aus der Formel 1 und Eishockey bekannt. Das ist ein hoch professioneller Partner."

Dies wird notwendig sein. Denn es laufen 17 Spielerverträge aus, dazu hat Salzburg-Trainer Nikola Jurcevic einen Kontrakt bis 2006. Ex-Aushängeschild Heimo Pfeifenberger steht dennoch vor einer Rückkehr, immerhin schaffte es der Publikumsliebling, den Red Bull-Chef zum Einstieg im Nachwuchs-Bereich zu bringen. Nun interessiert sich Mr. Mateschitz auch für das "große" Fußballgeschäft. Kernsatz: "Ich habe mich dafür entschieden, da sich der Fußball zu einem höchst intelligenten Strategiespiel entwickelt hat." (apa)

14.4.2005 10:50