Nein zu Olympia 2014: Salzburg spricht sich
mehrheitlich gegen Großveranstaltung aus
- 60 % stimmen dagegen, Wahlbeteiligung bei 22 %
- LH Burgstaller: "Sorgen der Stadt berücksichtigen"
Der Motor für eine österreichische Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014 ist ins Stottern geraten: Denn ausgerechnet die Bewohner der geplanten Host-City Salzburg wollen nicht. Bei einer Bürgerbefragung sprachen sich 60,53 Prozent der Stadt-Salzburger gegen eine Kandidatur aus. Die Schlüsse der Politik aus dem Ergebnis: "Analysen ziehen und Verhandlungen führen", meinte Bürgermeister Heinz Schaden (S). Die Entscheidung fällt dann im Juli im Gemeinderat.
Knapp 22 Prozent der wahlberechtigten Mozartstädter hatten sich zur Wahlurne begeben. Das Ergebnis der Befragung fiel angesichts der intensiven Kampagne von SPÖ und ÖVP für die Kandidatur recht eindeutig aus. 8.803 (39,47 Prozent) kreuzten ein "Ja" an, 13.501 (60,53 Prozent) waren dagegen. Bei einer landesweiten Volksbefragung am vergangenen Sonntag hatten sich 60 Prozent für eine Bewerbung ausgesprochen.
Obwohl die Bürger das Signal auf Rot gestellt haben, ist der Zug aber noch nicht endgültig gestoppt - für die Politik verbindlich ist das Ergebnis der Befragung nämlich nicht: "Wir nehmen das Votum der Bürger sehr ernst. Wir schlagen aber die Tür zu Olympia 2014 in Salzburg nicht zu. In erster Linie haben finanzielle Sorgen bei den Bürgern den Ausschlag für dieses Ergebnis in der Stadt gegeben. Das kann man nicht wegreden. Das bedarf einer österreichweiten Anstrengung. Dazu werden wir in den nächsten Wochen Analysen ziehen und Verhandlungen führen", meinte Schaden.
Burgstaller: "Sorgen der Stadt berücksichtigen"
Mehr Engagement wird vor allem vom Bund gefordert: "Bisher war es üblich, dass der Bund eine Ausfallshaftung übernimmt", hier müsse noch einmal nachverhandelt werden, sagte Landeshauptfrau Gabi Burgsteller (S). Sie betonte aber, dass man nicht vergessen dürfe, dass zwei Drittel des Landes für eine neuerliche Bewerbung seien. ÖVP-Chef LHStv. Wilfried Haslauer sagte, man müsse schauen, weshalb es in der Stadt so große Skepsis gebe und was man tun könne, um die Sorgen zu zerstreuen. Und ÖVP-Vizebürgermeister Harald Preuner stellte fest, "die Chance Olympia lebt". Es werde aber kein Olympia ohne Wenn und Aber und "kein Drüberfahren über die Skepsis in der Stadt" geben.
Helmut Hüttinger, Klubobmann der Bürgerliste (Grüne) im Gemeinderat, sprach von einem "eindeutigen Votum: Wir wollen uns nicht wieder bewerben". Man sollte das Projekt versenken. Und die parteifreie Gemeinderätin Elisabeth Promegger, die mit dem Sammeln von 3.449 Unterschriften die Bürgerbefragung erzwungen hatte, meinte, dass das Ergebnis eindeutig sei. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Votum der Stadt-Salzburger im Gemeinderat umgesetzt wird", sagte Promegger.
Wallner: "Nun muss die Politik entscheiden"
Leo Wallner, der Präsident des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC), nahm das Ergebnis relativ gelassen zur Kenntnis. "Aus unserer Sicht ist das unproblematisch, wir glauben, dass Salzburg ein gutes Angebot hat und international reüssieren kann", erklärte der ÖOC-Chef. "Nun muss die Politik entscheiden. Wenn sie will, dann gehen wir voll hinein", kündigte Wallner an. Stichtag für die Abgabe der Bewerbung vor dem IOC in Lausanne ist der 28. Juli 2005.
(apa/red)
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