0:4 gegen Grasshoppers: Heinz Peischl warf als St. Gallen-Coach das Handtuch!
- Kein österreichischer Trainer-Legionär mehr in Europa
- Walter Hörmann ist als Nachfolger im Gespräch
Österreich hat seit Mittwochabend keinen einzigen Trainer-Legionär mehr in einem europäischen Fußball-Oberhaus: Wenige Stunden nach Kurt Jara, der sich mit dem 1. FC Kaiserslautern auf eine vorzeitige Vertragsauflösung geeinigt hatte, endete auch die Ära von Heinz Peischl beim Schweizer Super-League-Klub St. Gallen. Der Burgenländer trat nach einem 0:4-(0:0)-Debakel in Zürich gegen die Grasshoppers zurück.
Die vom dreifachen österreichischen Internationalen St. Gallener, bei denen der Österreicher Rene Schicker unter Vertrag steht, boten eine indiskutable Leistung und zeigten nach Ausschlüssen von Torhüter Stefano Razzetti (22./Rot nach Handspiel außerhalb des Strafraum) sowie Eric Hassli (70./Gelb-Rot) Zerfallserscheinungen, woraufhin Peischl das Handtuch warf.
Der 41-Jährige hatte am 20. Dezember 2002 die Betreuung des momentan siebentplatzierten Klubs St. Gallen übernommen, davor war er beim FC Wil unter Vertrag gewesen, wo er im Juni 2001 seine Karriere als Chefcoach begonnen hatte. Peischl, der als Spieler je zwei Mal den Meistertitel und Cupsieg mit dem FC Tirol geholt hatte, war nach dem Match nicht bereit, seinen Rücktritt zu kommentieren.
Verwaltungsratsmitglied schon länger gegen Peischl
Wegen Peischl hatte es aber schon länger Spannungen bei St. Gallen gegeben. So war am 17. Jänner Hansjörg Rettenmund aus dem Verwaltungsrat der AG des Schweizer Fußball-Traditionvereins zurückgetreten. Rettenmund begründete seinen Rücktritt damit, dass er sich mit der Strategie des Verwaltungsrates und dem Festhalten an Peischl als Trainer nicht mehr identifizieren könne.
Rettenmund hatte für die Absetzung des Burgenländers in der Winterpause plädiert. "Der sportliche Erfolg ist für jeden Verein maßgebend. Dieser wird auch vom Trainer beeinflusst. Der Trainer ist die Schlüsselfigur. Fallen Erfolge aus, sind Konsequenzen zu treffen", hatte der Verwaltungsrat im Jänner erklärt.
Peischl: "Ich nehme die Leistung der Mannschaft persönlich
Peischls Vertrag wäre im Sommer ohnehin nicht verlängert worden. "Es ist nach dieser Leistung schwierig, Worte zu finden", sagte der sichtlich gezeichnete Burgenländer. "Ich nehme die Leistung meiner Mannschaft persönlich und trete deshalb mit sofortiger Wirkung zurück." Danach verließ er die Pressekonferenz ohne weitere Erklärungen.
Peischls Rücktritt kam zwar überraschend, doch nach den zuletzt gezeigten Leistungen seines Teams, das neun Gegentore in den jüngsten beiden Meisterschaftsniederlagen kassierte, sowie seinen zuletzt gemachten Äußerungen nicht aus heiterem Himmel. "Ich verstehe seine Entscheidung. Stete 'Peischl-Raus-Rufe' der Fans gehen an die Substanz", meinte sein Assistenztrainer Werner Zünd, der den Rücktritt persönlich bedauerte.
Hörmann als Nachfolger im Gespräch
Am Tag nach dem Rücktritt von Heinz Peischl als Trainer des FC St. Gallen hat sich der Verwaltungsrat des Schweizer Erstligisten versammelt, um über einen Nachfolger zu beraten. Das Donnerstag-Training leitete Sportchef Rene Weiler. Unter den drei am öftesten genannten möglichen Kandidaten befindet sich auch der Österreicher Walter Hörmann, der zur Zeit beim Schweizer Zweitligisten FC Wil unter Vertrag steht.
Neben Hörmann, dessen Kontrakt eine Ausstiegsklausel zu einem höherklassigen Verein beinhaltet, werden Ex-Köln-Trainer Marcel Koller sowie Ex-Young Boys Bern- und Servette Genf-Coach Marco Schällibaum als Nachfolger von Peischl gehandelt. Hörmann war als Aktiver von 1985 bis 1987 für St. Gallen tätig und stand schon in der Winterpause 2002/2003 zusammen mit Peischl in der engsten Trainer-Auswahl der Ostschweizer. (apa)
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