Dienstag, 5. April 2005

Handball: Prokop erhielt mysteriösen
Droh-Anruf vor Europacup-Halbfinale

  • "Mister Hypo" schaltete Innenministerium und Anwalt ein
  • Auch in Wien "Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko"

Das Semifinal-Rückspiel zur Champions League der Handballerinnen zwischen Hypo Niederösterreich und Kometal Skopje wirft vor dem Anpfiff zum Hinspiel am Freitag im BSFZ Südstadt (18.30 Uhr/live TW1) schon ganz dunkle Schatten voraus. Der ÖHB-Serienmeister erhielt über das Wochenende auf seinen Anrufbeantworter eine mysteriöse Mitteilung, die an seinen Trainer-Manager Gunnar Prokop gerichtet ist und als Drohung bzw. Warnung zu verstehen ist.

Eine Person, die sich mit dem Namen Petar K. meldete und als Mitglied der nationalen Armee Mazedoniens ausgab, ließ Prokop in englischer Sprache wissen: "Nehmen sie keinen Einfluss auf das Spiel. Tuen sie es doch, dann wird es nicht gut für sie sein, verstehen sie!?" Der Handball-Zampano, der 2000 nach dem jüngsten von acht Meistercup-Triumphen in Skopje von einem Rowdy niedergeschlagen worden war, übergab das Tonband am Dienstag offiziell seiner Frau, Innenministerin Liese Prokop, sowie dem Europa-Verband und seinem Anwalt.

Er nehme den Anruf sehr ernst, lasse sich aber nicht einschüchtern und werde sicher zum Rückspiel am 16. April (17.30 Uhr/live TW1) mitreisen. "Ich lasse meine Mannschaft sicher nicht im Stich. Es kann nicht sein, dass ich mich 60 Minuten auf der Bank wie ein Pfarrer verhalte und meine Spielerinnen nicht antreibe", sagt der 64-Jährige, der von den zuständigen Stellen eine Überprüfung des Telefonats und entsprechende Maßnahmen fordert. Es sei ja nicht das erste Mal, dass es in Skopje Probleme gebe.

Europa-Verband untersucht Droh-Anruf
Dennoch schert Prokop nicht alle Mazedonier über ein Kamm. Er sei auch deshalb überrascht und entsetzt, weil die Vorfälle von 2000 längst vergessen schienen. Zuletzt hatten Hypo und Kometal 2003/04 die Meistercup-Gruppenspiele (25:23 Südstadt bzw. 23:25 Skopje) ohne besondere Vorkommnisse hinter sich gebracht. "Außerdem hat der Verein eine neue Führung bekommen", erzählt der Hypo-Macher, der am Dienstag im BSFZ mit der Gendarmerie und der EHF eine Sicherheitsbegehung der Halle vorgenommen hat.

Der Europa-Verband (EHF) bestätigte nach APA-Anfrage den Erhalt der Telefon-Aufzeichnung. "Auch wir nehmen das ernst und befassen uns damit. Wir beobachten diese Paarung sehr genau, aber wir werden vor dem ersten Spiel die Stimmung nicht noch mehr in die Höhe treiben, das wäre kontraproduktiv", sagte EHF-Generalsekretär Alexander Toncourt und versuchte die Gemüter zu beruhigen. Die neuen Verbandsfunktionäre seien bemüht, die Emotionen in vernünftige Bahnen zu lenken. Mazedonien richtet 2008 die Frauen-EM aus ...

"Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko"
Die Heimpartie wurde vorerst einmal von der zuständigen österreichischen Behörde als "Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko" eingestuft, entsprechend wird die Security-Truppe ihre quantitative Stärke haben. "Ich hoffe, dass wir alles im Griff haben werden, die Sicherheitsmänner sollen zurückhaltend und dezent auftreten", betont Prokop, der die von Kometal angeforderten rund 250 Karten (insgesamt 622 Sitz- und 400 Stehplätze sind verfügbar) nicht, sondern nach Einschaltung der EHF nur zwischen 100 und 150 Karten bereitstellen wird. Das EHF-Regelement schreibt vor, dass der Heimverein lediglich zehn Prozent seiner Hallenkapazität den Gästen anbieten muss. (apa/red)

5.4.2005 13:58