Dienstag, 5. April 2005

Grünes Licht für die Motorrad-WM:
KTM will im dritten Jahr den Titel holen

  • Mattighofener sind 2005 in allen drei Klassen am Start
  • Kallio, Talmacsi und Simon gehen auf Punktejagd

Umfassend wie noch nie engagiert sich der österreichische Motorrad-Hersteller KTM 2005 in der am Sonntag in Jerez beginnenden Motorrad-Straßen-WM. Die Mattighofener sind erstmals in allen drei Klassen mit dabei, der klare Fokus liegt im dritten Jahr aber in der 125er-Klasse, in der man mit gleich drei Fahrern auf den Weltmeistertitel los geht. "Der WM-Titel ist das klare Ziel, dem haben wir alle anderen Straßen-Aktivitäten untergeordnet", sagte Sportchef Heinz Kinigadner. Teamchef von Red Bull-KTM ist weiterhin Harald Bartol.

So wird das Debüt der 250er-KTM mit dem australischen Fahrer Anthony West voraussichtlich frühestens Mitte Mai in Le Mans erfolgen. Auch in der MotoGP, in der KTM den Motor für das Kenny-Roberts-Team (Fahrer ist der Engländer Shakey Byrne) stellt, sollen echte Akzente erst ab Le Mans gesetzt werden, wenn die neue Generation der bärenstarken V4-Motoren zum Einsatz kommt. "Hundert Prozent unserer Ressourcen sind in der 125er-Klasse", betont Kinigadner.

In dieser Klasse ist der Finne Mika Kallio KTM treu geblieben, dazu kommen neu der Ungar Gabor Talmacsi und der junge Spanier Julian Simon. "Drei potenzielle Siegfahrer", ist Kinigadner überzeugt. Der ehemalige Thaiboxer Talmacsi ist der größte und schwerste Pilot im Feld, Simon der kleinste und leichteste. Der 18-Jährige hat sich bei den letzten Tests eine Handverletzung zugezogen, wird am Sonntag aber starten. KTM hat die Straßen-WM-Aktivitäten 2005 mit insgesamt zehn bis zwölf Millionen Euro budgetiert, ein beträchtlicher Teil fließt natürlich aus TV-Geldern, Sponsoren, IRTA-Geldern etc. zurück.

Massen-Exodus in der 125er-Klasse
Der Australier Casey Stoner, der vergangenen Oktober für den ersten KTM-WM-Sieg gesorgt hatte, hat die Oberösterreicher hingegen in Richtung 250er-Klasse verlassen. Ein Schritt, den mit Weltmeister Andrea Dovizioso, Hector Barbera, Roberto Locatelli, Jorge Lorenzo und Stoner gleich die ersten Fünf der vergangenen WM gemacht haben. "Es gibt keinen eindeutigen Favoriten. Deshalb sind die ersten Rennen sehr wichtig, weil sich alle gleich profilieren wollen. Dazu kommen wie jedes Jahr viele neue junge Fahrer, aber in Summe werden die Piloten mit Streckenerfahrung Vorteile haben", ist Kinigadner überzeugt, dass die routinierten KTM-Fahrer vorne mitmischen werden.

Einige WM-Läufe soll heuer auch wieder KTM-Junior Michael Ranseder bestreiten. Der 18-jährige Oberösterreicher, im Vorjahr zwei Mal im WM-Einsatz, hat gleich den ersten EM-Lauf in Assen überlegen gewonnen, soll aber in erster Linie seinen IDM-Titel verteidigen. KTM hat das Junior-Team auf vier Piloten aufgestockt (mit Stefan Bradls Vater Helmut als Berater), der jeweils Beste erhält dann die WM-Wild-Card, der Letzte scheidet am Jahresende aus.

Langfristiges Junior-Programm soll Erfolge bringen
KTM fährt damit wie Red Bull im Automobilsport ein langfristiges Junior-Programm. "Die Idee ist, mit den Jungs bis zum WM-Titel durchzumarschieren. Ziel ist, einen deutschsprachigen Weltmeister zu produzieren", erklärt Kinigadner, warum man Verträge mit den Jungpiloten über fünf bis sieben Jahre anstrebt.

"Nur so kann man an Vorwärtskommen denken, es ist das Einzige, was Sinn macht, wir bieten aber auch etwas", verweist der ehemalige Motocross-Weltmeister auf die umfassende Betreuung, die u.a. das RB-Trainingszentrum in Thalgau unter der Führung von Bernd Pansold beinhaltet. "Ich hoffe, dass auch die Piloten diese Chance erkennen."

Klar steckt da auch ein Unternehmensziel dahinter. "Wir wollen Motorräder verkaufen, das geht nur mit dem Image der Siegfahrer. Wenn sie alle zwei Jahre auf einem anderen Motorrad sitzen, bringt das nichts." Ebenso wenig wie das Engagement eines Superstars wie Valentino Rossi. Kinigadner: "Er kostet allein an Vertragsgeld ein Drittel mehr als das komplette Moto-GP-Budget von uns und Roberts zusammen, außerdem würde er wohl nie die ausführliche Entwicklungsarbeit machen, die wir von unseren Piloten brauchen."

5.4.2005 10:51