Donnerstag, 7. April 2005

FPÖ beginnt mit der Postenbesetzung: Wird Norbert Hofer stellvertretender Chef?

  • Strache präsentiert Führungsteam, weitere Ausschlüsse
  • PLUS: Auch das BZÖ stellt sich personell derzeit neu auf

Der burgenländische Landesparteisekretär Norbert Hofer soll stellvertretender Bundeschef der FPÖ werden. Der Wiener FPÖ-Chef und Bundesobmann-Kandidat Heinz Christian Strache hat am Donnerstag angekündigt, Hofer (34) beim Parteitag am 23. April für die Funktion vorzuschlagen. Auch den interimistischen FP-Bundesgeschäftsführer hat Strache präsentiert: Es ist der Oberösterreicher Klaus Nittmann (46). Außerdem kündigte Strache weitere Parteiausschlüsse an.

So sollen etwa in Wien jene Abtrünnigen Mandatare, die angekündigt haben, zum BZÖ zu wechseln, ihre Parteimitgliedschaft verlieren. "Es hat jede Partei eine Selbstachtung", so Strache. Auch Personen, die am BZÖ-Gründungskonvent teilnehmen, werden aus der FPÖ ausgeschlossen.

Riess-Passer kehrt nicht zur FPÖ zurück
Die frühere Vizekanzlerin und FP-Obfrau Susanne Riess-Passer denkt auch nach der freiheitlichen Parteispaltung nicht an eine Rückkehr in die Politik. Ihr Rückzug in die Privatwirtschaft sei eine "endültige Entscheidung", betonte Riess-Passer am Donnerstag auf Anfrage der APA. Auch der Einladung des designierten FP-Chefs Heinz Christian Strache zur "Zukunftskonferenz" in Villach will Riess-Passer nicht nachkommen. Seine Entschuldigung nimmt Riess-Passer allerdings an.

Strache hatte sich am Donnerstag für das "Unrecht" entschuldigt, das er Riess-Passer in der Vergangenheit angetan habe. Die heutige Wüstenrot-Generaldirektorin dazu: "Die Entschuldigung nehme ich an. Er ist immerhin anständiger als manch andere, die mehr angerichtet haben. Eine Mitwirkung in irgendeiner Form kommt aber nicht in Frage." Sie werde sich weder in der FPÖ noch im BZÖ politisch engagieren, betont Riess-Passer.

Hofer neuer stellvertretender Bundeschef
Mit Norbert Hofer (34) holt sich Heinz-Christian Strache einen gelernten Flugzeugtechniker in das neue FPÖ-Team. Seit mehr als zehn Jahren ist Hofer in der burgenländischen FP tätig, zuletzt als Landesparteisekretär. Jetzt soll er Stellvertretender FPÖ-Bundesparteiobmann werden.

Für Schlagzeilen sorgte Hofer im Sommer 2003, als er sich bei einem Paragleiter-Unfall in der Steiermark schwerste Verletzungen zuzog. Der Unfall passierte in der Nähe des Stubenbergsees. Hofer soll eine Notlandung versucht haben, wobei der Schirm seitlich eingeklappt ist. Er stürzte aus mehreren Metern Höhe ab und zog sich dabei schwere Wirbelsäulenverletzungen zu. Der Verunglückte wurde mit dem Notarzthubschrauber nach Graz geflogen und mehr als vier Stunden operiert.

Drachenfliegen und Paragleiten zählten zu den Hobbys des mehrfachen Vaters. Nach dem Unfall blieben zunächst Lähmungserscheinungen zurück, die er in einer mehrmonatige Rehabilitation überwinden konnte. Heute hat er zwar noch Schwierigkeiten beim Gehen, einen Stock benötigt er noch zeitweise. Im Februar 2004 kehrte er jedenfalls wieder in die burgenländische Politik zurück.

Bei den burgenländischen Freiheitlichen ist er seit 1994 tätig - zunächst als Stadtparteiobmann in Eisenstadt. Seit 1996 ist er Landesparteisekretär, seit 1997 Gemeinderat in Eisenstadt und seit 2000 Klubsekretär. Vor seiner politischen Laufbahn war Hofer Luftfahrttechniker bei Lauda Air.

Zukunftskonferenz im April
Heinz-Christian Strache kündigte eine große "Zukunftskonferenz" der FPÖ an - die bereits kommende Woche in Villach stattfinden soll. Sie wird entweder am 13. oder 14. April über die Bühne gehen. Eingeladen seien dorthin alle, die an einer "Freiheitlichen Bürgerbewegung" mitarbeiten wollen, betonte Strache. Er will unter anderem auch mit Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer über eine mögliche Teilnahme reden.

"Ich habe ihr in der Vergangenheit Unrecht getan, wofür ich mich entschuldige", sagte Strache mit Verweis auf die Ereignisse in Knittelfeld. Doch auch prominente Ex-Freiheitliche wie Norbert Steger oder Friedrich Peter sollen eingeladen werden.

Völlig offen ist laut Strache die Situation im Nationalratsklub: "Ich rechne mit einem deutlichen Bekenntnis zur FPÖ." Es werde keine One-Woman-Show werden, zeigte er sich überzeugt. Wer neben Barbara Rosenkranz auf seiner Seite steht, darüber wollte Strache nichts sagen: Ich spekuliere nicht." Spätestens bis zum Parteitag am 23. April soll es jedoch Klarheit geben, sagte der Wiener FPÖ-Chef.

Dass der parlamentarische Klub weiter ein "Freiheitlicher" bleiben will, stößt auf Widerstand bei Strache. Die Verwendung des Begriffes soll nun "verunmöglicht" werden. Auch rechtliche Schritte schloss Strache nicht aus. Noch im Gang ist laut Strache auch die Prüfung der Parteifinanzen.

Bereits erfolgte Parteiausschlüsse in Kärnten bezeichnete Strache als "notwendig". Der interimistische eingesetzte Obmann Alois Huber sei dort ebenfalls keine "One-Man-Show" versicherte Strache. Es gebe viele Freunde in Kärnten, die über die jüngste Entwicklung entsetzt seien. Wobei die Frage nach einem Durchgriffsrecht der Bundespartei auf die Kärntner Partei offen blieb. Laut Strache ist dafür der interimistische Bundesobmann Hilmar Kabas zuständig.

Stichwort Bundesländer: Laut Strache ist die Nominierung Norbert Hofers als Kandidat für den Posten des stellvertretenden Bundesobmanns auch ein "Signal für das Burgenland" - wo heuer noch gewählt wird. Der interimistische Bundesgeschäftsführer Klaus Nittmann kommt zwar aus Oberösterreich, ist aber bereits seit längerem in der Wiener Partei als Mitarbeite Straches aktiv.

Spott und Häme hatte Strache einmal mehr für das neue "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) übrig. "BSE, oder so ähnlich, ich verwechsle das immer", machte er sich üb er die Kurzbezeichnung lustig.
(apa/red)

7.4.2005 14:15