Dienstag, 5. April 2005

Strache attackiert Haiders BZÖ frontal: Wr. FP-Chef sieht fünf Länder auf seiner Seite

  • "Der Versuch, die FPÖ zu zerstören, ist gescheitert"
  • NÖ-Obfrau Rosenkranz: "Bin blau und bleibe blau"

In einem Büro der FPÖ-Landespartei sind am Montagabend die Partei-Rechten rund um den Wiener Obmann Heinz-Christian Strache zu einem mehrstündigen Treffen zusammengekommen. Dort erklärte der Wiener Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache, er habe zumindest fünf Vertreter von FPÖ-Landesorganisationen gegen eine Abspaltung im "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) auf seiner Seite.

Ob er selbst für die Funktion des Bundesparteiobmanns kandidieren werde, ließ er vor der für Dienstag angekündigten Pressekonferenz offen. "Der Versuch, der heute gemacht worden ist, die FPÖ zu zerstören, ist gescheitert", sagte Strache vor Journalisten.

Den Gründern des "Bündnis Zukunft Österreich" warf Strache "Hochverrat" vor. Er sprach von einer Gruppe, die vom Großkapital und Interessen der Industrie begleitet werde. Fragen nach einer möglichen Kandidatur beim Parteitag am 23. April wich er wiederholt aus. Es sei jedenfalls das Ziel, die FPÖ für die Zukunft klar zu positionieren. Er erklärte, zu seinem Wort zu stehen, in einer existenziellen Krise der FPÖ zur Verfügung zu stehen.

Stadler sieht Verlust der Mehrheit im Bundesrat
Noch vor dem Treffen der FP-Landespartei attackierte FP-Volksanwalt Ewald Stadler das "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) und stellte der schwarz-blauen Koalition der Verlust ihrer Mehrheit zumindest im Bundesrat in Aussicht: "Der Bundeskanzler muss sich darauf einstellen, dass er zumindest im Bundesrat mit Beharrungsbeschlüssen regieren muss."

Ob mit der Gründung des BZÖ nun die schwarz-blaue Koalition platzen würde, wollte Stadler nicht direkt beantworten. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) müsse jedenfalls entscheiden, "ob er mit dieser skurrilen, orangen Figuration weiterregieren will", so Stadler zu den wartenden Journalisten, der die Bewegung auch als "skurrilen Stronach-Ableger" bezeichnete.

Der Volksanwalt äußerte erneut die Hoffnung, dass Strache beim kommenden FP-Bundesparteitag für den Parteivorsitz kandidieren werde: "Ich hoffe, dass er sich nicht verweigern wird." Die heutige Bekanntgabe des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider zur Gründung des BZÖ habe ihn jedenfalls nicht überrascht. Er verfüge über Informationen, dass einzelne Abgeordnete schon vor Tagen massiv bearbeitet worden seien, sich dieser Bewegung anzuschließen. Im übrigen habe er auch nicht erwartet, dass Haider nur zum Skifahren nach Kanada gefahren sei.

An der Sitzung am Abend nahm auch die niederösterreichische FPÖ-Obfrau Barbara Rosenkranz teil. Sie meinte lediglich: "Ich bin blau und ich bleibe blau."

Hauser: "Die FPÖ ist nicht mehr in der Regierung"
Auch Interim-Parteiobmann Hilmar Kabas, der burgenländische Landeschef Harald Tschürtz, Senioren-Obmann Karl Wimleitner und der Tiroler Landesparteichef Gerald Hauser trafen in den Abendstunden des Montag bei der Sitzung ein. Letzterer sprach davon, dass sich mit dem "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) die Regierungsfraktion von den Freiheitlichen abgespalten habe. Seine Schlussfolgerung: "Die FPÖ ist nicht mehr in der Regierung."

Hauser beurteilte dies vor Journalisten gelassen. Man könne sich nun wieder "echt freiheitlichen Themen" zuwenden und Oppositionspolitik machen. Es sei dies auch keine Spaltung, betonte er vor Journalisten, denn die FPÖ bestehe ja weiter. Ob er nun Strache als Parteiobmann wolle? - "Ja, natürlich", sagte Hauser. (apa)

5.4.2005 07:42