Freitag, 8. April 2005

Wird Kardinal Schönborn der nächste Papst? Buchmacher sehen dafür gute Chancen

  • Einflussreiche Kreise sind für den Wiener Geistlichen
  • Klicken: Die aussichtsreichsten Nachfolge-Kandidaten

Kardinal Christoph Schönborn ist Mittwoch Vormittag in Rom eingetroffen, wo er am Begräbnis von Papst Johannes Paul II. und anschließend am Konklave zur Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes teilnehmen wird. Die Ankunft des österreichischen Kardinals löste ein großes Medieninteresse aus. Bei seiner Ankunft im Bahnhof Termini erklärte Schönborn: "Es ist die Zeit der Trauer und der Dankbarkeit für die großen, großen Gaben, die die Kirche und die Welt von Papst Johannes Paul II. bekommen hat."

Spätestens seit dem großen "Medienbahnhof", der Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag bei seiner Ankunft mit dem Zug in Rom bereitet wurde, ist klar, dass der Wiener Erzbischof in den internationalen Medien als einer der Favoriten bei der nächsten Papstwahl gehandelt wird. Laut italienischen Medien zählt Schönborn mit dem Mailänder Erzbischof Dionigi Tettamanzi (71), dem Nigerianer Francis Arinze (72), dem Brasilianer Claudio Hummes (70) und dem aus Honduras stammenden Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (62) zu den aussichtsreichsten Nachfolgern von Johannes Paul II. Einziges Bedenken ist das relativ junge Alter des 60-jährigen Schönborn.

Einflussreiche Kreise wünschen sich Schönborn
"Nicht nur Österreich hofft auf die Papst-Wahl Schönborns. Auch einflussreiche Kreise der deutschsprachigen Kirche setzen auf den eleganten Kardinal aus Skalsko in Böhmen", schrieb die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Auch internationale Medien sehen den als Vertrauten des einflussreichen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger (78), geltenden Erzbischof im engeren Favoritenkreis. Die europäische Fotoagentur EPA veröffentlichte am Mittwoch eine aus vier Fotos gebaute Kollage (Kombo), auf der Schönborn gemeinsam mit Maradiaga, Tettamanzi und Arinze zu sehen ist.

Die spanische Tageszeitung "ABC" (Donnerstagsausgabe) schreibt, dass Schönborn mit seiner frohen und weltgewandten Art beeindrucke. Die Gläubigen würden sich nach dem Pontifikat von Johannes Paul II. wieder einen jungen Papst wünschen, der lächeln könne und viele Sprachen spreche. "Ein Rückschritt ist nicht denkbar", betont die konservative Zeitung. Sie berichtet weiter, dass der ebenfalls als "papabile" geltende Patriarch von Venedig, Angelo Scola (63) den Wiener Erzbischof vor eineinhalb Jahren in einem Gespräch mit einem US-Journalisten in höchsten Tönen gelobt habe. "Er ist der Mann der Zukunft", sagte Scola demnach. Auf die Frage, in welcher Hinsicht er dies meine, sagte Scola: "Sie verstehen mich schon richtig. In jeder Hinsicht."

Nachteil: Schönborns "junges" Alter von 60 Jahren
Allerdings wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die 117 Papstwähler wohl eher für ein kurzes Pontifikat entscheiden und damit einen älteren Kandidaten wählen werden. "Nach dem langen und ereignisreichen Pontifikat von Johannes Paul II. ist man der Meinung, dass der Nachfolger Petri ein Übergangspapst sein wird, der nicht radikal sein soll. Er soll dem Vatikan Stabilität garantieren, ohne zu lang im Amt zu bleiben", spekulierte die römische Tageszeitung "Il Messaggero". Auch "ABC" schreibt, dass Schönborn angesichts seiner Jugend "außer Gefahr" sei, kommender Papst zu werden.

Bei den Buchmachern liegt Schönborn indes gut im Rennen. Das irische Wettbüro "Paddy Power" sieht Schönborn mit einer Quote von 14:1 an sechster Stelle. Topfavoriten sind Tettamanzi und Arinze (jeweils 11:4), vor Maradiaga (9:2), Ratzinger (7:1) und Hummes (9:1). Hinter dem Wiener Erzbischof sind "Schwergewichte" wie der Chef der Bischofskongregation, Giovanni Battista Re (16:1), Scola (20:1) und der römische Vikar Camilo Ruini (66:1).

Schönborn selbst hält sich indes eisern an das Gelübde der Kardinäle, nichts über das am 18. April beginnende Konklave zu sagen. Er betete am Donnerstagvormittag vor Beginn der Sitzung der Kardinalskongregation einige Minuten lang vor dem Leichnam des Papstes im Petersdom, gemeinsam mit Ruini und dem Turiner Erzbischof Severino Poletto.
(apa/red)

8.4.2005 13:10