"Dieses wachsbleiche Gesicht": Der aufgebahrte Leichnam des Papstes
- Rituale und bereits etwas Wundersames im Vatikan
Vittorio Zucconi, Korrespondent der italienischen Zeitung "La Repubblica", hat den aufgebahrten Papst bereits gesehen. Dieses "wachsbleiche Gesicht, dem nicht einmal die hingebungsvolle Arbeit der Einbalsamierer Farbe zurückgeben konnte oder wollte", beschreibt er seine Eindrücke. Mehrere Tage und Nächte lang können ab Montagabend alle Gläubigen "dem großen Papst mit dem kleinen Gesicht" im Petersdom die letzte Ehre erweisen.
"Nur wer den Leichnam aus der Nähe gesehen hat versteht, dass Johannes Paul nicht mehr ist", schreibt Zucconi. "Aber auch dieser entseelte Körper will eine letzte Botschaft übermitteln, in diesen gewöhnlichen Schuhen, die ihm sicher auf eigenen Wunsch angezogen wurden - statt der kurialen Pantoffeln." Was es mit diesen rotbraunen Schuhen tatsächlich auf sich hat, wissen wohl nur die engsten Vertrauten des Papstes.
Es gibt viele Rituale im Vatikan, und vieles ist geheimnisumwittert. Eines ist jedoch sicher: Der Papst wird in Rom beigesetzt und nicht in seinem Heimatland Polen. Ob das Herz dorthin gebracht wird, wollte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls am Montag nicht bestätigen. Kritisch hatte sich auch der Krakauer Erzbischof, Kardinal Franciszek Macharski, geäußert: "Karol Wojtyla das Herz zu entnehmen, bedeutete die Rückkehr zu einer Tradition, die nicht mehr zeitgemäß ist."
Für die Aufbahrung wurde der Leichnam des Papstes einbalsamiert. "Das ist nötig, wenn sie ihn drei Tage aufbahren wollen", sagt Massimo Signoracci, Spross einer Familie, die schon an die Körper der letzten drei Päpste Hand anlegte. Pius XII. wurde dagegen 1958 so schlecht einbalsamiert, dass mehrere Wachen wegen des Geruchs in Ohnmacht fielen, wie die Zeitung "La Stampa" berichtet.
Damals fand jedoch alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mit dem "Medienpapst" sind gänzlich andere Zeiten angebrochen. Johannes Paul reiste um die ganze Welt, nun kommt die Welt zu ihm. Als "epochal" kündigen Kommentatoren die Beisetzungsfeierlichkeiten mit Staatspräsidenten, Regierungschefs, Nobelpreisträgern, Königen und Königinnen an. Auch der britische Thronfolger Charles will teilnehmen.
Marmorsarkophag als letzte Ruhestätte
Ob bei der Totenmesse der Sarg des Papstes am Freitag auf dem Petersplatz steht, war am Montag noch unklar. Zeitungsberichten zufolge soll der Leichnam in einen Sarg mit drei Wänden aus Zypressen- und Nussbaumholz sowie Blei gelegt werden. Letzte Ruhestätte sei ein Marmorsarkophag in den Grotten unter dem Petersdom.
Zwölf Papstgrabstätten sind bisher dort - eine ist leer. Der mumifizierte Leichnam von Johannes XXIII. ist seit 2001 in einem gläsernen Sarg im Petersdom ausgestellt. Wie durch ein Wunder war der einbalsamierte Körper in 38 Jahren kaum verwest.
Schon wird auch am jetzigen Papstleichnam Wundersames entdeckt. Aus einer bestimmten Perspektive erinnere der Tote an das Bild "Toter Christus" des italienischen Meisters der Frührenaissance Andrea Mantegna, berichtete "La Repubblica"-Korrespondent Zucconi. (apa)
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