Freitag, 8. April 2005

Rechtsextremist: Mehmet Ali Agca schweigt weiter zu Schüssen auf Papst

  • Der Türke will erst nach seiner Freilassung reden
  • Bereits seit 24 Jahren sitzt er in Istanbul hinter Gittern

Reden will er erst, wenn er wieder ein freier Mann ist. Fast 24 Jahre, nachdem er im Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom auf Johannes Paul II. schoss, will der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca immer noch nichts zu den bis heute ungeklärten Hintergründen der Tat sagen. Erst nach seiner Freilassung werde er reinen Tisch machen, sagte er vor Jahren einem italienischen Journalisten in seiner Gefängniszelle. Nach dem Tod des Papstes ist Agca, der nach dem Attentat von Johannes Paul II. in seiner Gefängniszelle besucht wurde, der einzige bekannte Beteiligte, der die Gründe und die Hintermänner des Verbrechens vom Petersplatz nennen könnte.

Monate vor seinem Tod hatte der Papst in seinem Buch "Erinnerung und Identität" angedeutet, dass er Agca nicht für einen Einzeltäter hielt. Agca sei ein Profi-Killer gewesen, der nicht aus eigenem Antrieb, sondern im Auftrag eines Dritten gehandelt habe, schrieb der Papst. Über die Frage, wer dieser Dritte sein könnte, schwieg sich der Papst aber aus und nahm sein Wissen vermutlich ungeteilt mit in den Tod. Johannes Paul II. betonte lediglich, dass er bei dem Attentat von einer "höheren Macht" beschützt worden sei - Agca selbst habe nicht verstanden, wie er den minutiös vorbereiteten Mordanschlag überleben konnte, schrieb der Papst.

Wenn sich Agca nach dem Tod des katholischen Kirchenoberhauptes weiter an die selbst auferlegte Schweigeverpflichtung während der Haft hält, wird die Welt noch ein wenig auf die Information warten müssen, was ihn dazu bewog, auf den Papst zu schießen. Etwa zwei Jahre Gefängnis hat Agca noch vor sich. Sollte es etwaige Hintermänner für das Attentat geben, müssten sich freilich auch diese mit Agcas angekündigter Auskunftsfreudigkeit abfinden und mit einer Bloßstellung rechnen.

Der heute 47-jährige Agca gehörte in den 70er Jahren zur militanten rechtsradikalen Szene in der Türkei. 1979 tötete er Abdi Ipekci, den Chefredakteur der linksliberalen Zeitung "Milliyet". Agca wurde zum Tode verurteilt, floh aber schon nach kurzer Zeit aus dem Gefängnis; die Todesstrafe wurde 1991 in eine lebenlange Haftstrafe umgewandelt.

Nach 19 Jahren, die er wegen des Papst-Attentats im italienischen Ancona in Haft saß, kam Agca nach seiner Begnadigung und Auslieferung an die Türkei im Jahr 2000 deshalb schnurstracks wieder hinter Gitter. Später wurde er zusätzlich zu seiner Strafe wegen Mordes noch wegen eines ebenfalls schon mehr als 20 Jahre zurückliegenden Überfalls verurteilt.

Vorübergehend hoffte Agca, im Rahmen einer Amnestie für mehrere zehntausend Kriminelle freizukommen, doch daraus wurde nichts. So sitzt er immer noch im Hochsicherheitsgefängnis im Istanbuler Stadtteil Kartal. Noch als Johannes Paul II. im Sterben lag, betete Agca für die "rasche Genesung" des Mannes, den er seinen "Bruder" nannte. Aus seinem Vorhaben, nach seiner Freilassung erneut mit dem Papst in Rom zu sprechen, wird nun nichts mehr werden.

(apa/afp)

8.4.2005 13:19