Sonntag, 10. April 2005

Blair steigt in den Wahlkampf ein: Innen-politik dominiert, kein Wort zu Irak-Krieg

  • Umfragen sehen Labour vor den Konservativen
  • Premier kandidiert am 5. Mai erneut in Sedgefield

Dreieinhalb Wochen vor der Unterhauswahl in Großbritannien ist Tony Blair mit einer Rede zur Bildungspolitik in den Wahlkampf eingestiegen. Die Bildung werde die wichtigste Aufgabe der neuen Labour-Regierung sein, sagte Blair in seinem Wahlkreis Sedgefield. Allen Kindern müsse die beste Chance für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben gegeben werden. Mit keinem Wort erwähnte er den Einsatz der britischen Streitkräfte im Irak, der auch bei Anhängern seiner eigenen Partei umstritten ist.

Vor seiner Rede wurde Blair erneut zum Kandidaten der Labour Party im nordostenglischen Wahlkreis Sedgefield aufgestellt. Die Unterhauswahl von 2001 hatte Blair dort mit einem Vorsprung von 17.713 Stimmen vor dem Kandidaten der Konservativen für sich entschieden. Befragt nach seiner Einschätzung der jüngsten Umfragen für die Wahl am 5. Mai sagte Blair: "Es gibt nur eine Abstimmung, die zählt, und das ist die am Wahltag."

Die am Sonntag veröffentlichten Umfragen sahen zwar Blairs Labour Party vor den Konservativen, doch ist der Vorsprung weitaus geringer als in den vergangenen Jahren. Bei einer Erhebung der Zeitungen "The Observer" und "Sunday Mirror" sprachen sich 40 Prozent der Befragten für Labour und 33 Prozent für die Tories aus. Die "Mail on Sunday" ermittelte 37 Prozent für Labour, 34 Prozent für die Tories.

Deren Parteichef Michael Howard warf Blair in einer Wahlkampfrede am Sonntag vor, er drücke sich um eine klare Stellungnahme zur Einwanderungspolitik. "Es ist nicht rassistisch, über die Einwanderung zu sprechen", sagte Howard. "Es ist auch nicht rassistisch, das System zu kritisieren." Die zunehmende Einwanderung bedrohe den britischen Lebensstil und müsse daher strenger als bisher kontrolliert werden, forderte Howard.

Die Liberaldemokratische Partei kündigte an, dass sie eine Koalition mit einer der beiden großen Parteien ausschließe. Die Liberaldemokraten waren die einzige große politische Kraft in Großbritannien, die den Irak-Krieg abgelehnt hat. (apa/red)

10.4.2005 20:38