Samstag, 9. April 2005

Pulverfass Nahost: Jihad kündigt Israel Waffenruhe nach tödlichem Vorfall auf

  • Soldaten erschossen palästinensische Jugendliche
  • Israel: Erst nach Warnschüssen das Feuer eröffnet

Nach einem tödlichen Zwischenfall im Gaza-Streifen ist die von militanten Palästinenser-Gruppen vereinbarte Nahost-Waffenruhe gefährdet. Die an Bedingungen geknüpfte Übereinkunft war erst im März ausgehandelt worden. Unterdessen haben militante Palästinenser israelischen Militärkreisen zufolge mehrere Granaten auf jüdische Siedlungen abgefeuert. Informationen über mögliche Todesopfer gab es nicht.

Ein Sprecher eines bewaffneten Arms der Gruppe Islamischer Jihad erklärte, man fühle sich nicht mehr an die Übereinkunft gebunden. Jihad-Anführer Mohammed al-Hindi widersprach dem später jedoch und sagte, die Gruppe habe noch nicht darüber entschieden, ob sei die Waffenruhe im Konflikt mit Israel aufkündige.

Israelische Soldaten hatten zuvor nach Angaben von Ärzten im südlichen Gaza-Streifen drei Palästinenser erschossen. Der Vorfall ereignete sich nahe der israelischen Grenze und nahe dem Flüchtlingslager in Rafah. Einem Augenzeugen zufolge spielten drei jugendliche Palästinenser etwa 50 Meter vom Grenzzaun entfernt Fußball. Plötzlich habe es von der israelischen Seite Schüsse gegeben. Die Jugendlichen seien nicht bewaffnet gewesen, hieß es von palästinensischer Seite. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Palästinenser hätten sich dem Grenzzaun genähert, die Soldaten hätten erst nach Warnschüssen das Feuer eröffnet. Die Armee untersuche den Vorfall nun.

Die militanten Palästinenser-Gruppen Islamischer Jihad und Hamas hatten nach Verhandlungen mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas (Abu Mazen) am 17. März eingewilligt, vorläufig bis Ende des Jahres keine Angriffe auf Israel mehr auszuführen. Diese Waffenruhe war allerdings an Bedingungen geknüpft, etwa der, dass Israel alle Angriffe auf Palästinenser unterlässt. Bewaffnete hatten die Übereinkunft bereits am Donnerstag gebrochen, als sie eine Rakete auf Israel abfeuerten. Dabei wurde allerdings niemand getötet.

Die Waffenruhe zwischen Palästinensern und Israel war zwischen Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon offiziell bereits am 8. Februar vereinbart worden. Allerdings erkannten die militanten Palästinenser-Gruppen diese Waffenruhe zunächst nicht an und ließen sich für die Einwilligung ihrerseits noch etwa einen Monat Zeit. (apa/red)

9.4.2005 20:25