Dienstag, 5. April 2005

97 % aller Hinrichtungen der Welt in vier Ländern: China vor Iran, Vietnam und USA

  • In China wurden mindestens 3.400 Menschen getötet
  • PLUS: Öffentliche Hinrichtung in Nordkorea gefilmt

Vier Länder zeichnen nach Erkenntnissen der Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation amnesty international für 97 Prozent aller Hinrichtungen auf der Welt verantwortlich: China, Iran, Vietnam und USA. In keinem anderen Land werden so viele Menschen hingerichtet wie in der Volksrepublik China. Dort wurden im Jahr 2004 in China an mindestens 3.400 Menschen die Todesstrafe vollstreckt.

In 25 Ländern seien mindestens 3797 Menschen hingerichtet, weitere 7395 Menschen seien im vergangenen Jahr in 64 Ländern zum Tode verurteilt worden, berichtet ai. Im Iran seien mindestens 159, in Vietnam mindestens 64 und in den USA 59 Menschen hingerichtet worden. Die Menschenrechtsorganisation geht aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen und Todesurteile wesentlich höher lag.

"Wir glauben, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs sind, viele Länder vollstrecken Todesurteile weiterhin im Geheimen", sagte Kate Allen, ai-Direktorin in Großbritannien. Nach ai-Angaben halten weltweit noch 76 Länder an der Todesstrafe fest, 120 haben sie im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Erfreulich sei, dass fünf Länder im Jahr 2004 die Todesstrafe vollständig abgeschafft hätten: Bhutan, Griechenland, Samoa, Senegal und die Türkei. Die Organisation kritisierte hingegen die Entscheidung der Regierungen im Irak und in Sri Lanka, die Todesstrafe wieder zu vollstrecken.

Mutmaßliche Hinrichtungen in Nordkorea gefilmt
Die britische BBC hat heimlich gemachte Filmaufnahmen ausgestrahlt, die offenbar öffentliche Hinrichtungen in Nordkorea zeigen. Die Aufnahmen seien vor rund einem Monat nahe der nordkoreanischen Grenze zu China gemacht worden, berichtete der Sender am Montagabend. Die Aufnahmen zeigen Gefangene auf einem Feld, die erschossen werden. Eine Stimme im Hintergrund gibt offenbar die Schießkommandos.

Den Berichten einer geflohenen Nordkoreanerin zufolge wurden rund 1.000 Dorfbewohner gezwungen, bei der Hinrichtung zuzusehen. Ihnen sei gesagt worden, dass auch sie erschossen würden, falls sie die Flucht aus Nordkorea versuchten.

Die BBC betonte, es sei unmöglich, die Echtheit der Aufnahme zu überprüfen. Die Bilder sollen jedoch mit zahlreichen Augenzeugenberichten nordkoreanischer Flüchtlinge übereinstimmen.(apa/red)

5.4.2005 09:31