Sonntag, 10. April 2005

Untersuchungen zu Böhler-Explosion: Restfeuchtigkeit als mögliche Ursache

  • Fünftes Todesopfer: Arbeiter verstarb im Wiener AKH
  • Ermittler suchen nach Grund für verheerendes Unglück

Das Unglück im Kapfenberger Böhler-Edelstahlwerk hat ein fünftes Todesopfer gefordert. Jener 54-jährige Arbeiter, der ins Wiener AKH eingeliefert worden war, ist am Nachmittag verstorben. Die bisherigen Ermittlungen lassen darauf schließen, dass Restfeuchtigkeit in einer Gusspfanne zu jener Reaktion führte, durch die heißer flüssiger Stahl auf sieben Arbeiter geschleudert wurde.

Zwei Arbeiter waren mit weniger schweren Verletzungen in das obersteirische LKH Bruck/Mur gebracht worden. Von ihnen wurde einer mittlerweile wieder in häusliche Pflege entlassen. Der andere Verletzte wird weiter behandelt.

Den Angehörigen der Todesopfer wurde ermöglicht, am Unglücksort Abschied zu nehmen. Nächste Woche werde man die gesamte Produktion ruhen lassen, während alle Betriebsangehörigen zu einer Trauerstunde im Werksgelände zusammen kämen, so Böhler Edelstahl-Geschäftsführer Weygand. In der Böhlerstadt Kapfenberg selbst wird getrauert: Schwarze Fahnen prägten das Stadtbild, Veranstaltungen wurden abgesagt.

Die Kriminalisten haben als mögliche Ursache für das Unglück im Böhlerwerk Restfeuchtigkeit in einer Gusspfanne angegeben. Demnach dürfte der Unfall während des so genannten Abstiches (Entleeren des Ofens) passiert sein. Es sei davon auszugehen, "dass in der mit rund 1.700 Grad Celsius heißem flüssigem Stahl befüllten Umfüllpfanne, die zuletzt einer Wartung unterzogen wurde, eine Restfeuchtigkeit vorhanden war".

Diese habe in Verbindung mit dem flüssigen Stahl zur Explosion geführt, so die Ermittler. Dadurch wurde die auf dem flüssigen Stahl schwimmende glühend heiße Schlacke rund 20 Meter weggeschleudert und traf die im Umkreis befindlichen Arbeiter. (apa)

10.4.2005 15:44