Freitag, 8. April 2005

Das Böhler-Werk Kapfenberg: Größter Standort des Edelstahlkonzerns

  • Wurzeln im 15. Jahrhundert, seit 111 Jahren als "Böhler"
  • Revolutionäre Entwicklungen für Stahlbranche

Am Freitag erschütterte eine schwere Explosion das Böhler-Edelstahlwerk in der steirischen Stadt Kapfenberg. Mehrere Tote und zahlreiche Verletzte sind zu beklagen. Die Böhler-Uddeholm AG hat sofort nach der Unglücksnachricht auch eine große Investoren-Präsentation (Road Show) in London abgebrochen, die Experten reisten unmittelbar danach nach Österreich zurück.

Und auch das zehnjährige Jubiläum des Aktienhandels in Böhler-Uddeholm an der Wiener Börse an diesem Sonntag hätten sich die Mitarbeiter und Manager der Edelstahl-Gruppe noch heute früh völlig anders vorgestellt.

Das Stahlwerk in Kapfenberg, dessen Wurzeln im 15. Jahrhundert liegen, ist der größte Produktionsstandort von Böhler-Uddeholm und gleichzeitig auch der operative Hauptsitz des börsenotierten Edelstahlstahlkonzerns unter Führung von Claus Raidl. Die Böhler-Uddeholm AG als Konzernmutter ist seit Herbst 2003 privatisiert.

Böhler-Uddeholm ist einer der größten Arbeitgeber in der Steiermark, das Stahlwerk Kapfenberg ist unter "Böhler" seit mittlerweile 111 Jahren in Betrieb.

In der "Böhler Edelstahl GmbH" sind rund 1.770 Menschen beschäftigt. Der Umsatz dieser Sparte lag 2004 bei 431 Mio. Euro. Die Edelstahlerzeugung beläuft sich pro Jahr auf 156.300 Tonnen.

77 Prozent der Produktion werden exportiert. Die Böhler Edelstahl GmbH gehört weltweit zu den bedeutendsten Anbietern von Schnellarbeitsstählen, Werkzeugstählen sowie Sonderwerkstoffen und konzentriert sich dabei auf Werkstofflösungen für höchste Ansprüche. Hergestellt werden Stahl-Langprodukte und Schmiedetechnik-Teile, die auch in der Flugzeugindustrie zum Einsatz kommen.

Wurzeln im 15. Jahrhundert
Die heutige Böhler Edelstahl GmbH wurde 1991 in ihrer jetzigen Gesellschaftsform gegründet. Sie ist eine 100-Prozent-Tochter der Böhler-Uddeholm AG (Wien). Vorangegangen war 1988 die Neugründung der Firma Böhler durch Aufgliederung der VEW in die Böhler GmbH und die Schoeller-Bleckmann GmbH. 1990 kaufte die Voest Alpine Stahl die schwedische Uddeholm. 1991 wurde der ganze Edelstahlbereich umgebaut, die Böhler-Gruppe und die schwedische Uddeholm-Gruppe wurden zum Böhler-Uddeholm-Konzern verschmolzen.

Der Stahl-Standort Kapfenberg geht auf das Jahr 1446 zurück, als Arnold Taubenprunner an diesem Ort ein Hammerwerk errichtete. Im Jahr 1894 erwarb die 1870 in Wien gegründete Firma der "Gebrüder Böhler & Co" das Stahlwerk Kapfenberg. Albert und Emil Böhler vertrieben damals mit ihrem Wiener Handelshaus Stahl aus diversen Produktionswerken.

Böhler setzte vom Werk in der Steiermark aus bereits früh metallurgische Maßstäbe: Im Jahr 1900 wurde der schon damals als revolutionär eingestufte Böhler-Schnellarbeitsstahl ("Böhler Rapid") entwickelt. Der erste Elektroofen in Kapfenberg ging 1908 in Betrieb. Das Werk wurde sukzessive um zahlreiche Öfen und Walzeinrichtungen erweitert,

1926 wurde die Produktion von (blanken) Schweißdrähten aufgenommen. 1950 entstand in der Kapfenberger Fabrik eine Stranggussanlage, 1967 baute man das Sonderstahlwerk, in mehreren Etappen wurde der Standort immer wieder um moderne Schmelzöfen und Werkstoffproduktionsanlagen erweitert. Im Jahr 2003 wurde die Kapazität deutlich erweitert. Anfang 2005 hat Böhler-Uddeholm für den Standort Kapfenberg eine 27 Mio. Euro schwere Investition in eine zweite Spindelpresse für die Sparte Schmiedetechnik beschlossen. (apa/red)

8.4.2005 15:50