Sonntag, 10. April 2005

Tragisches Unglück bei Böhler: 1.800 Grad heißer Stahl ausgetreten - fünf Arbeiter tot!

  • Ursache unklar: Chemische Reaktion oder Verpuffung?
  • Drama in Kapfenberg: Böhler-Chef Raidl tief betroffen

Zu einem schweren Unglück ist es im Böhler-Stahlwerk in Kapfenberg gekommen. Durch eine chemische Reaktion oder eine explosionsartigen Verpuffung geriet flüssiger Stahl beim Abgießen in eine offene Gießpfanne außer Kontrolle und schoss aus der Pfanne. Drei Arbeiter waren sofort tot, ein vierter Kollege starb im Rettungshubschrauber und einer nach vergeblichem Überlebenskampf im Wiener AKH. Zwei weitere Männer erlitten ebenfalls schwerste Verbrennungen.

Die Verletzten hatten sowohl Brandverletzungen als auch Rauchgasvergiftungen erlitten. Eine Gefahr für die Umgebung habe nicht bestanden, wie Vertreter des Unternehmens und der Behörden in einer Pressekonferenz versicherten.

Es handle sich um das größte Unglück bisher im Böhler-Uddeholm-Konzern, erklärte Vorstand Heimo Stix. Konzernchef Claus Raidl brach einen London-Aufenthalt ab, um sich voraussichtlich am Samstag im Werk vor Ort über den Hergang des Unglücks zu informieren.

Die genaue Ursache festzustellen, dürfte laut dem steirischen Sicherheitsdirektor Josef Klamminger "noch Wochen und Monate" dauern. Wie Böhler-Edelstahl-Geschäftsführer Hans Weygand sagte, sei bei dem Unglück "flüssiger Stahl unkontrolliert ausgetreten". Zum Zeitpunkt des Unfalls hätten sich sieben Arbeiter der Frühschicht im Bereich der Pfannengrube befunden.

Chemische Reaktion oder eine Verpuffung
Nach der Schilderung von Hans-Peter Fauland, dem Leiter des Stahlwerks, sei es zu dem Austritt gekommen, als vom Elektroofen geschmolzener Stahl in die Gießpfanne gegossen wurde. Dabei oder kurz danach sei es zu der verhängnisvollen Reaktion gekommen. Ob es sich dabei um eine chemische Reaktion oder eine Verpuffung handelte, konnte von den Experten nicht gesagt werden.

Nach den Worten von Vorstand Stix und den Ermittlern der Gendarmerie sei man um eine rasche Ursachenklärung bemüht. Geschäftsführer Weygand gab zu bedenken, dass der so genannte Abstich bei rund 1.600 Grad Celsius erfolge. Man müsse jetzt die Abkühlphase abwarten.

Identität der Opfer unbekannt
Die Identität der Opfer wurde mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt gegeben. Mitgeteilt wurde lediglich, dass es sich um Arbeiter im Alter von 22 bis 54 Jahren handelt, darunter auch Familienväter. Bezirkshauptmann Berhard Preiner verlautete, dass die psychologische Betreuung der Angehörigen sowie der betroffenen Kollegen durch die Kriseninterventionsteams von Rotem Kreuz und Land Steiermark sichergestellt sei.

Bereits am Nachmittag wurde am Werkstor die schwarze Fahne als Zeichen der Trauer aufgezogen. Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer (V) sagte im Namen der Landesregierung Hilfe zu, SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer zeigte sich "tief bestürzt" und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. (apa/red)

10.4.2005 14:28