Mittwoch, 6. April 2005

Wilde Szenen bei Dealer-Festnahme: Polizei feuert in Wien 18 Schüsse ab

  • Dealer verschluckt bei Verhaftung Suchtgiftkugeln
  • Attacke auf Schwarzafrikaner mit äußerster Brutalität

Wilde Szenen spielten sich am Dienstagabend in Wien- Ottakring bei der Festnahme eines Dealers und sechs Drogenkonsumenten ab. Laut Polizei gab eine Suchtgiftstreife nicht weniger als 18 Schreckschüsse ab, ehe die Verdächtigen gefasst werden konnten.

Die Beamten hatten den Informationen zufolge eine Gruppe von Drogenkonsumenten auf der Suche nach einem Dealer schon einige Zeit observiert. In der Herbststraße beobachteten sie gegen 19.30 Uhr, wie einer der Männer einen schwarzafrikanischen Suchtgifthändler attackierte, worauf die Polizisten einschritten.

Die Attacke auf den schwarzafrikanischen Dealer wurde mit äußerster Brutalität ausgeführt. Nach Angaben des Leiters des Kriminalkommissariats West, Mag. Josef Koppensteiner, näherten sich zunächst die Frau und ein Mann dem Schwarzafrikaner, scheinbar in der Absicht, Drogen zu kaufen. Dann stürzten sich plötzlich die weiteren vier Männer auf den Dealer und versetzten ihm Tritte sowie Fausthiebe ins Gesicht.

Als die Kriminalbeamten aus ihren Autos sprangen, stoben die Täter in alle Richtungen davon. Die Polizisten haben zunächst 14 Warnschüsse abgegeben und nahmen den Dealer und fünf Mitglieder der Räuberbande fest. Ein Mann rannte stadteinwärts davon und ließ sich erst fassen, nachdem vier weitere Schreckschüsse gefallen waren.

"Raub vor den Augen der Polizei"
"Es ist sicher noch nicht oft vorgekommen, dass ein Raub vor den Augen der Polizei verübt wird", sagte Koppensteiner, nach dessen Angaben die Einvernahmen der Verdächtigen am Mittwochvormittag noch in Gang waren. Bei den Festgenommenen handle es sich um vier gebürtige Türken, einen Österreicher und eine Niederösterreicherin aus dem Bezirk Baden.

Die Kriminalisten gehen davon aus, dass die Gruppe weitere derartige Überfälle verübt hat, wobei die Chance, die Opfer zu finden, praktisch äußerst gering ist, da Drogendealer sich nicht an die Polizei wenden, wenn sie beraubt wurden.

Der Dealer habe bei seiner Festnahme mehrere Suchtgiftkugeln verschluckt. Zwei der wegen versuchten Raubes festgenommenen Verdächtigen hätten bei der Erstbefragung gestanden, bereist öfter schwarzafrikanische Dealer überfallen zu haben, hieß es in einer Aussendung der Polizei. (apa)

6.4.2005 11:07